Mangelnde Dynamik

Glucks Oper „Orphée et Eurydice“ in einer Inszenierung von John Neumeier

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Sinnlich-schöne Bilder: John Neumeier bringt die Pariser Orpheus-Version von 1774 auf die Bühne. 

Hamburg - Von Ute Schalz-laurenze. Die Körper des Hamburg Ballett John Neumeier fliegen, fahren, werden größer oder kleiner, zerschmelzen und trennen sich. Nichts gibt es, was diese Weltklassetruppe nicht kann - was auch in der Premiere von Christoph Willibald Glucks „Orphée et Eurydice“ an der Staatsoper Hamburg deutlich wird.

Ästhetisch ebenso schön wie perfekt agieren die „Seligen Geister“, die „Furien“ am Eingang zur Unterwelt. Aber auch die Menge der Chöre, die im Orchestergraben singen, versammeln sich zum Tanz auf der Bühne. Alessandro de Marchi dirigiert das Philharmonische Staatsorchester Hamburg so kenntnisreich, wie man es vom Fachmann für Alte Musik gewohnt ist, aber etwas aufregender ist die Musik Glucks schon als man es hier so durchweg geglättet hört.

Inszeniert - inklusive Bühnenbild, Kostüme und Licht - hat die Oper John Neumeier, und zwar die tanzlastige Pariser Fassung von 1774. Es ist die dritte Aufführung nach der Version 2017 an der Lyric Opera Chicago mit dem Joffrey Ballet und an der Los Angeles Opera.

Neumeier hat sich viele Gedanken gemacht über die Aktualität des Mythos Orpheus. Die Figur ist in seiner Interpretation ein Choreograf, dessen Frau die Tänzerin Eurydice ist. Man befindet sich in den Proben zu Arnold Böcklins symbolistischem Bild „Die Toteninsel“. Bei einem Autounfall wird Eurydice tödlich verletzt, die bekannte mythologische Geschichte nimmt ihren Lauf.

Eingeflogener Orpheus: Dimitry Korchak.

Es gibt viele sinnlich-schöne Bilder über Orpheus‘ Gefühle, wie beispielsweise die Dopplung der Figuren mit Tänzer und Tänzerin (Edvin Revazow und Anna Laudere), Bilder über Erinnerung und erwartete Zukunft: das mobile Bühnenbild mit vielen Spiegeln ist sehr schön gelungen.

Aber irgendwie will sich das Ganze nicht zu einer charakteristischen Lesart zusammenfügen. Zudem mangelt es an emotionaler Dynamik in der einzigen Szene, die nach einem Körperausdruck für Sänger sucht: Jener verzweifelte Dialog, in dem Eurydice Orpheus‘ Härte bekämpft, weil er sie nicht ansieht. Dazu gibt es hier nur konventionelle Gesten, die weiter nichts aussagen. Und die vor allem eine zu schwache Verbindung zu den großen Ballettszenen ergeben.

Das ist umso enttäuschender, als die Pariser Fassung sich vor allem dadurch auszeichnet, dass zahlreiche Ballette hinzukomponiert wurden, die eine neue Opernästhetik begründen sollten. Außerdem drängt sich die Frage auf, warum die Sänger extra für die Vorstellung eingeflogen werden mussten. Allerdings singen Andriana Chucman und Dmitry Korchak durchweg toll. Stimmlich ergreifend sind auch Marie Sophie Pollak als Amor, in diesem Fall der Assistent des Künstlers Orpheus.

Zum Ansehen

Mittwoch, Samstag, 12., 16. und 19. Februar sowie am 23. Juni, 19.30 Uhr, Staatsoper.

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