„Unverschämt“: Bühne frei für Frauen

Halten sich in „R-Age“ nicht so bedeckt: Franziska Mencz (l.) und Brigitte Bertele. Foto: Lea Dietrich

Bremen - Von Rolf Stein. Am Anfang ist Gepöbel. Über die Alten. Die dafür sorgen, dass die Straßenbahn warten muss. Zum Beispiel. In dem Theaterstück „R-Age“ nehmen Franziska Mencz und Brigitte Bertele kein Blatt vor den Mund. Und lassen – auch ganz buchstäblich – die Hosen herunter. Die autobiografisch-dokumentarisch gefärbte Inszenierung eröffnet den Themenschwerpunkt „Unverschämt“ in der Schwankhalle, der Frauen eine Bühne gibt. „Sie erzählen ihre eigenen Geschichten über Alter, Arbeit, Sex und Essen. Und sie laden alle ein, dabei zu sein. Wer die Hemmschwelle überwindet, kann nur gewinnen!“, heißt es programmatisch in der Ankündigung.

Die Ausfälle gegen die Alten, so sehr sie eine Hemmschwelle überwinden, sind freilich nicht für bare Münze zu nehmen. Die sehr alltägliche, im Grunde jeden betreffende Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit, mit Alter und Tod kann einen schließlich schon einmal überfordern und wütend machen. „R-Age“ spielt schließlich nicht nur mit dem englischen Wort für Alter („Age“), sondern auch mit dem für Wut („Rage“). Und vielleicht sorgt so ein Donnerwetter ja für klare Verhältnisse. Die beiden Schauspielerinnen gehen das Thema Altersdiskriminierung aus weiblicher Perspektive jedenfalls durchaus facettenreich an. Und wenn sie sich dafür ausziehen müssen.

Ganz im Sinne des Titels „Unverschämt“ geht es auch sonst bis Anfang April in der Schwankhalle offenherzig zu. Statt mit Blumfeld zu grübeln, wie man denn eigentlich über Sex reden könne, hält man es hier eher mit Salt’n’Pepa: „Let’s Talk About Sex“ heißt eine dreiteilige Reihe, die Gelegenheit bietet, über die oft kniffligen Wechselwirkungen zwischen Sex und Arbeit, Alter oder Pornografie zu sprechen. Letztere gibt es dann sogar zu sehen, allerdings unter feministischen Gesichtspunkten und mit diskursiver Rahmung.

Spannend dürften auch die beiden Gastspiele des queerfeministischen Theaterkollektivs Henrike Iglesias sein, in denen von Frauen immer noch eingeforderte Verhaltensweisen beherzt unterlaufen werden, sowie die Auftritte der Gruppe Les Reines Prochaines, die sich in einer musikalischen Revue mit dem Thema Arbeit befassen – einer Sphäre also, in der Gleichberechtigung und Chancengleichheit bis heute eher Verheißung als Realität sind. Den Abschluss macht die Rapperin Ebow, die auf ihrem neuen Album „K4L“ auf Gemeinschaft statt Ego setzt.

Termine

„R-Age“: Heute, 20 Uhr, Sonntag, 15.30 Uhr; „Let’s Talk About Sex & Arbeit“: Dienstag, 19.30 Uhr; Les Reines Prochaines, „Let’s Sing, Arbeiterin!“, 2. bis 22. Februar, Schwankhalle. Alle Termine: www.schwankhalle.de

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