Zeit für Politik

Axel „Aki“ Bosse feiert mit seinen Fans im Bremer Schlachthof

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Singen bis zum letzten Schweißtropfen: Im Schlachthof fehlt zur Sauna nur noch der Aufguss.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Engagiert war Axel „Aki“ Bosse schon immer. Er stellte sich auch öffentlich gegen Rechts, warb für Toleranz und sammelt bereits seit elf Jahren für die Hilfsorganisation „Viva con Aqua“ Spenden. Trotzdem: Einen rein politischen Song gab es vom gebürtigen Braunschweiger noch nie – bis jetzt. Mit „Robert de Niro“ von seiner aktuellen Platte „Alles ist jetzt“ hat der Musiker jegliche textliche Zurückhaltung abgelegt – auch auf der Bühne des Bremer Schlachthofs.

Dort steht Bosse, wie für ihn üblich, bereits sehr früh am Abend klatschnass geschwitzt und schwer atmend vor der Menge und erzählt davon, wie ihm die Kotze im Hals stand – und eigentlich immer noch steht.

Zumindest, wenn er an die AfD und Pegida denkt – und an all die Menschen, die in ihren Reihen mitlaufen. Dies macht auch Bosse ängstlich und wütend, und es war für ihn Grund genug, den den Song „Robert de Niro“ zu schreiben.

Er erzählt von einer gewissen Claire, die auf eine Gesellschaft voller Wutbürger blickt und sich in diesem Land nicht nur nicht mehr sicher, sondern auch völlig fehl am Platz fühlt. Genau wie es sicherlich auch Robert de Niro gehen würde, wenn er wie im gleichnamigen Song bei „Berlin Tag und Nacht“ landen würde.

Sicher, Textzeilen wie „Man gibt den Hass immer weiter an die Schwächsten / Schuld sind die anderen, die soll der Teufen hol’n“ sind Allgemeinplätze, die keinen größeren Erkenntnisgewinn bereithalten. Aber seien wir ehrlich: Je einfacher die Botschaft, desto eher hören die Leute zu.

Zudem glaubt man Bosse, dass er sich – nicht nur weil er mit einer Türkin verheiratet ist – Sorgen ums Land macht und seinen Ruhm für etwas Gutes nutzen möchte. Denn gut läuft es in diesen Tagen durchaus für ihn: „Alles ist jetzt“ stieg direkt auf Platz eins in die deutschen Albumcharts ein, und der Auftritt im Schlachthof war ruckzuck ausverkauft. So schnell, dass viele Fans gar nicht erst zum Zug kamen und ihrem Unmut empört Luft machten. Für sie spielen Bosse und seine Band am 27. März noch einmal an der Weser.

Doch zurück in die Kesselhalle: Dort ist es wie gewohnt eng, stickig und heiß. Für Fans und Sänger kein Problem, sie haben sich darauf eingestellt. Schließlich kommen Auftritte von Bosse auch in der größten Halle einem Work-out gleich – für alle Beteiligten.

Immer wieder animiert der Musiker die willig folgenden Massen zum Klatschen, Tanzen oder Singen. Dass vor Beginn des Auftritts oben auf dem Balkon noch über Sitzplätze mit Blick auf die Bühne gestritten wurde, ist da längst vergessen – 3es sitzt eh niemand. Wie denn auch, wenn Bosse wie ein Derwisch über die Bühne fegt, während seine siebenköpfige Band untermalt von Cello und Trompete die Melodien zu alten Hits wie „Dein Hurra“ oder „So oder So“ liefert – natürlich verbunden mit einigen Abstechern zur aktuellen Platte.

Die ist wie gewohnt poppig arrangiert, allerdings nicht mehr ganz so auf Hochglanz poliert. Zumal sich nun auch elektronische Klänge in die Songs mischen und für einen gewissen Groove sorgen. Diesen hat auch die ohne Elektropassagen auskommende Ballade „Ich bereue nichts“: die minimalistische Zwischenbilanz eines in sich ruhenden Künstlers, die „Aki“ Bosse akoholgeschwängert nach einem Tag mit Freunden und Familie an der Elbe geschrieben hat.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass sich „Alles ist jetzt“ nicht nur fast nahtlos in die vorangegangenen sechs Studioalben einfügt, sondern auch einen künstlerischen Reifeprozess abbildet. Und zwar ganz ohne austauschbare Massenware. Denn Bosse schreibt seine Songs nicht nur selbst, bei ihm klingt außerdem kein Lied wie das andere. Merkmale, die ihn wohltuend vom schlagergetränkten Einheitsbrei der aktuell so beliebten deutschen Poppoeten abheben. Zumal seine Authentizität und politische Überzeugung eben nicht nur Maskerade ist. Seine Fans haben das längst erkannt – und feiern Bosse und Band dementsprechend ausgiebig.

Für das Konzert am 27. März im Pier 2 gibt es noch Karten. Außerdem tritt Bosse im kommenden Jahr ein weiteres Mal in der Region auf beim Hurricane in Scheeßel (21. bis 23. Juni).

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