Aus Bremens Anfangstagen

Spektakulärer Fund auf der „Wallkontor“-Baustelle

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Schwarz zeichnet sich der Grundriss des Grubenhauses aus dem 9. Jahrhundert im Lehm ab. Der hellere Kreis in der Mitte hingegen ist zeitgenössisch – eine Folge der Arbeiten mit Stützpfeilern, die die Baugrube absichern. 

Bremen - Spektakulärer archäologischer Fund auf der „Wallkontor“-Baustelle in der Bremer Innenstadt: Bei Erdarbeiten ist hier ein etwa 1 200 Jahre altes Grubenhaus gefunden worden.

Dr. Dieter Bischop, bei der Landesarchäologie zuständig für die Stadt, datiert es mit Blick auf die beim Haus ebenfalls gefundenen Keramikstücke auf das 9. Jahrhundert. Investor Marco Bremermann freut sich darüber und spricht von einem „Lucky Punch“.

Grubenhäuser waren kleinere Bauwerke, die ein Stück in den Boden eingelassen wurden. In der „Wallkontor“-Baugrube, zehn Meter tiefer als der Wall, sieht der Laie vor allem einen großen Fleck aus schwarzem Lehm. Die Archäologen aber sehen viel, viel mehr – den Grundriss eines Grubenhauses eben, an dessen Rand sich vermoderte Holzpfähle abzeichnen.

„Damit haben wir erstmals den vollständigen Grundriss eines Grubenhauses in der Altstadt gefunden“, sagt Bischop. Da der Fund vornehmlich aus organischem Material besteht, lässt er sich nicht erhalten – wohl aber in aller Ausführlichkeit dokumentieren und digitalisieren. Bisher waren in der Innenstadt nur Fragmente von Grubenhäusern freigelegt worden: Beim Bau des Bürgerschaftsgebäudes, bei Kanalarbeiten neben dem Roland und auf dem Domshof unter dem „Alex“, sagt Bischop.

9. Jahrhundert – das ist ein Gruß aus den Anfangstagen Bremens, der da ans Licht der Gegenwart gekommen ist. Im Jahr 789 weihte Willehad, der erste Bischof von Bremen, hier den ersten Dom, ein hölzernes Bauwerk, errichtet auf dem höchsten Punkt der Bremer Düne.

Der Grubenhaus-Grundriss zeige nun, wie weit die Bremer sehr frühzeitig schon vom Dom entfernt siedelten, so die Archäologen. „Der Fund verdichtet unser Bild Bremens“, sagt Bischop. Wozu aber kann das Wall-Grubenhaus gedient haben? „Vielleicht war es eine Webhütte“, sagt Bischop. „Flachs lässt sich bei hoher Luftfeuchtigkeit gut verarbeiten.“ Dafür wäre die tiefe Lage sinnvoll gewesen. Am Grubenhaus haben die Archäologen Mahlsteine gefunden.

Die „Wallkontor“-Baustelle entwickelt sich ohnehin im wörtlichen Sinne zu einer archäologischen Fundgrube. Drei historische Brunnen wurden hier bislang entdeckt. Und im Herbst vergangenen Jahres Überreste eines Stadtturms vom Beginn des 13. Jahrhunderts – Teile der alten Stadtmauer, die insgesamt mehr als 40 dieser Türme hatte. Das Fundstück wurde abgetragen und soll an präsenter Stelle ins neue „Wallkontor“ integriert werden. Auch ein zweiter Turm ist inzwischen auf der Baustelle zu sehen.

Auf dem Areal der einstigen Harms-Brandruine in der Straße Am Wall baut der Investor Marco Bremermann (Müller & Bremermann) für eine zweistellige Millionensumme das „Wallkontor“. Eine Passage führt durch das Gebäude direkt auf die dahinter liegende Museumstraße – und ermöglicht eine direkte Verbindung (und Sichtachse) zwischen Wall und Domshof-Passage. Der Neubau mit 5500 Quadratmetern Gewerbefläche (Einzelhandel und Büros) soll 2021/22 fertig sein, so der Unternehmer.

Bremermann sagt, er freue sich über die archäologischen Funde; die damit verbundenen leichten Arbeitsverzögerungen kümmern ihn nicht. „Ich bin von Haus aus Kunsthistoriker, deswegen interessiert mich das.“ Und: „Diese Chance haben wir einmal, dann nicht mehr. Ich mag so etwas.“ Bremermann zeigt auf den Umriss eines der Grubenhaus-Pfähle, dem die Archäologen die Dokumentationsnummer 73 gegeben haben: „Das ist 1200 Jahre alt!“

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