„Ein historisches Ereignis“

Airbus übergibt in Bremen europäisches Servicemodul für US-Mondkapsel „Orion“

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Die undatierte Computergrafik zeigt die Raumkapsel „Orion“, die am Mond entlangfliegt.

Bremen - Von Jörg Esser. Die Zukunft liegt im All. Der Mond kehrt ins Visier der Wissenschaftler zurück. Die US-Raumfahrtagentur Nasa will 2020 das Raumschiff „Orion“ auf die Reise zum Erdtrabanten schicken. Das „Kraftwerk“ der Kapsel stammt aus Bremen. Rund 200 Ingenieure des Raumfahrtkonzerns Airbus Defence and Space haben das europäische Servicemodul (ESM) für die „Orion“ entwickelt und gebaut. Am Freitag ist das erste ESM-Modul in der Hansestadt der Nasa übergeben worden.

Oliver Juckenhöfel, Leiter der Sparte „On-Orbit Services and Exploration“ bei Airbus, bezeichnete die Auslieferung beim Festakt in der Bremen-Halle des Flughafens als „emotionalen und wichtigen Augenblick“ und „historisches Ereignis“, Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) sprach von einem „großen Moment für Bremen“ und einem „Riesenschritt“. 

Das ESM sorgt für Antrieb und Kraft, liefert mit vier Solarsegeln den Strom fürs Raumschiff, versorgt die Astronauten mit Wasser und Luft zum Atmen und reguliert die Temperatur im Inneren der Kapsel. 20.000 Bauteile und Komponenten sowie mehrere Kilometer Kabel und Leitungen enthält das Modul. Es ist ein Zylinder mit einer Höhe und einem Durchmesser von je etwa vier Metern und verfügt, wie schon die ebenfalls von Airbus gebauten ATV-Raumtransporter, über einen markanten, vierflügeligen Solargenerator mit 19 Metern Spannweite. 

Die 8,6 Tonnen Treibstoff des Servicemoduls versorgen ein Haupttriebwerk und 32 kleinere Antriebe. Das ESM hat ein Gesamtgewicht beim Start von etwas mehr als 13 Tonnen. „Es ist ein technisches Meisterwerk“, sagte Juckenhöfel. Der Auftragswert liegt bei 390 Millionen Euro.

Ein Airbus-Team sitzt vor dem schon zum Teil verpackten europäischen Servicemodul (ESM) für das US-Raumschiff „Orion“. Das ESM geht am Montag an Bord eines „Antonov“-Transportflugzeugs auf die Reise nach Florida.

Am Montag geht das erste „Kraftwerk“ auf die Reise zum Kennedy Space Center nach Florida. An Bord eines „Antonov“-Transportflugzeugs fliegt der vier Meter hohe Zylinder von Bremen zunächst bis Hannover, wo die riesige Frachtmaschine für den Flug über den großen Teich vollgetankt wird. Im Nasa-Raumfahrtcenter werden Ingenieure von Nasa und Esa das Modul in den nächsten Monaten mit der Astronautenkapsel integrieren. „Das wird noch viel Arbeit“, sagte Nasa-Programmleiter Mark Kirasich. 

Die „Antonov“ kommt erst am Sonntag nach Bremen. Das US-Raumschiff soll gut 50 Jahre nach der ersten Mondlandung tief ins Weltall vordringen, bis weit hinter den Mond. Für 2020 ist ein unbemannter Testflug geplant, 2022 die erste Mission mit Astronauten an Bord. „Wir kehren nicht nur zum Mond zurück. Wir gehen tiefer ins Weltall als die Menschheit je zuvor“, sagte der Nasa-Direktor für bemannte Raumfahrt, Bill Gerstenmaier. 

„Orion“ soll in einer großen Schleife um den Mond herumfliegen und zur Erde zurückkehren. Etwa drei Wochen soll die Mission dauern. Dabei wollen die Experten vor allem die Systeme unter Extrembedingungen testen. „Länger war noch kein Raumschiff im All unterwegs, ohne an einer Station anzudocken“, heißt es.

„Mit der Auslieferung des ESM nimmt die bahnbrechende Nasa-Mission nachhaltig Fahrt auf“, sagte Juckenhöfel. Er bezeichnete die Kooperation mit den Auftraggebern Nasa und Esa sowie dem Industriepartner „Lockheed Martin Space“ als „außergewöhnlich, effizient und sehr direkt“. Die Airbus-Raumfahrtsparte werde das Vertrauen in Know-how und Kompetenz weiter stärken. 

Die Integration des zweiten Servicemoduls in den Reinräumen des Unternehmens am Flughafen hat bereits begonnen. Und jenes Modul soll dann an Bord einer „Orion“ Astronauten mehr als 64.000  Kilometer hinter den Mond bringen. „Das wird ein historischer Moment“, sagte der Esa-Direktor für bemannte Raumfahrt, David Parker.

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