Kreatives Erinnern

Tanz, Gesang und Diskussionen bei der 21. „Nacht der Jugend“ 

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Wünsche an die Traumschule: Julia (l.) von der Wilhelm-Olbers-Oberschule in Hemelingen und Hanna von der Gesamtschülervertretung.

Bremen - Von Viviane Reineking. Nachdenkliches mischt sich mit Fröhlichem, Erinnerung an die Verbrechen der NS-Zeit mit Gegenwart und Zukunftsplänen, Diskussionen mit Musik, Tanz, und Gesang: Bei der 21. Ausgabe der „Nacht der Jugend“ im hell erleuchteten Bremer Rathaus sorgten viele Schüler und Gäste am Donnerstagabend für ein buntes, kreatives Treiben.

Für die einen ist es schlicht eine schulische Pflichtveranstaltung, andere fiebern dem Event schon lange entgegen, um sich über spannende Projekte zu informieren und sich an die Zeit zu erinnern, als Synagogen, Geschäfte und Wohnungen brannten, Menschen jüdischen Glaubens misshandelt und ermordet wurden. Vor fast genau 80 Jahren – vom 9. auf den 10.  November 1938 – begann mit der Reichspogromnacht die systematische Verfolgung der Juden auch in Bremen.

Bis zu 3 000 Schüler werden im Laufe des Abends im sonst so ruhigen Weltkulturerbe erwartet, so Ulli Barde vom Organisationsteam. „Mit der ,Nacht der Jugend‘ schlagen wir auch eine Brücke zwischen verschiedenen Kulturen, die sich heute hier begegnen und Szenen, die sonst kaum miteinander in Berührung kommen“, so Barde.

Das Motto „Was geht mich das an?“ bezieht sich nicht nur auf Vergangenes, auch in der Gegenwart stellt sich diese Frage. „Man erlebt diesen Rechtsruck in der Gesellschaft, den man auf keinen Fall totschweigen darf“, sagt deshalb auch Pia Straßburger. Sie hat sich bereits im Findorffer Jugendbeirat engagiert, möchte an diesem Abend junge Menschen über eine Bremer Demokratieinitiative informieren. „In Zeiten, in denen antidemokratische Kräfte stärker, rechte Hetze und Sprüche lauter werden, muss man die demokratischen Werte umso höher halten und sich einsetzen“, so die 18-Jährige.

Farbenfroh und energiegeladen: die tänzerische Darbietung von Gästen aus Bremens Partnerstadt Durban bei der „Nacht der Jugend“ im Festsaal des Bremer Rathauses. - Foto: Reineking

Volles Haus derweil in der Oberen Rathaushalle, wo kaum ein Sitzplatz frei bleibt, als die vier Jungen der Bremer Band „Swank Think“ Jazz-Stücke auf die Bühne bringen. „Jazz steht für viele Freiheiten, für eine offene Gesellschaft. Und das wünschen wir uns auch: eine Gesellschaft, in der niemand diskriminiert, sondern jeder akzeptiert wird“, sagt Bandmitglied Aaron Brüggemann.

Während junge Gäste aus Bremens Partnerstadt Durban im Festsaal eine farbenfrohe tänzerische Darbietung zeigen, herrscht am Infostand der Gesamtschülervertretung (GSV) Hochbetrieb. Viele haben ihre Vorstellungen von einer Traumschule an die Pinnwand geheftet, andere tun hier ihren Unmut über ihre Schule kund. „Welche Fragen wolltet Ihr schon immer Politikern stellen“, wollen Marko (16 Jahre), Pauline (16), Robin (17) und Jelina (17) von der GSV von den Schülern wissen. Alle wollen bei der „Nacht der Jugend“ mehr darüber erfahren, was die „Basis“ denkt. Robin: „Als GSV-Mitglieder haben wir zum Beispiel eben auch die Möglichkeit, mit der Bildungssenatorin zu sprechen und ihr Fragen zu stellen.“

Flutura, Juliane und Irmel von „Schüler helfen leben“, sind extra aus Neumünster nach Bremen gekommen. „Richtig cool“ finden sie das Konzept. „Was geht mich das an?“ würden sich leider viele Menschen fragen. „Wir stehen immer wieder vor der Frage: Wir bringen wir Menschen dazu, sich sozial zu engagieren?“ Viele weitere Konzerte, eine Lesung, eine Diskussion und zahlreiche Gespräche – es ist eine facettenreiche und lebendige Form der Erinnerung und Mahnung an diesem Abend.

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