FRAGEN UND ANTWORTEN Die Rolle der sozialen Medien im Wahlkampf

Niedrigschwelliger Zugang zur Politik

Die Spitzenleute der Bremer Parteien: Carsten Sieling (SPD, obere Reihe, v.l.), Carsten Meyer-Heder (CDU) und Kristina Vogt (Linke) sowie Lencke Steiner (FDP, untere Reihe, v.l.), Maike Schaefer (Grüne) und Frank Magnitz (AfD). Fotos: DPA

Bremen - Von Helen Hoffmann. Soziale Medien spielen in der Politik zunehmend eine größere Rolle. Über Facebook und Twitter teilen Parteien Informationen und Meinungen. Politiker sind oft zusätzlich mit Fotos und Videos auf Instagram unterwegs. Wie unterschiedlich sie solche Medien nutzen, zeigt sich auch in Bremen, wo am Sonntag ein neuer Landtag gewählt wird.

Wie gehen die Spitzenkandidaten der beiden großen Parteien, SPD und CDU, im Bremer Wahlkampf mit sozialen Medien um?

Als Regierungschef des kleinsten Bundeslandes präsentiert sich der SPD-Politiker Carsten Sieling mit einem Profil auf Facebook, das von ihm und der Senatskanzlei bespielt wird. „Es ist die offizielle Bürgermeisterseite, das wird vom Wahlkampf getrennt“, sagt der Landesgeschäftsführer der SPD, Roland Pahl. „Als Person twittert er nicht und hat auch keinen eigenen Facebook- oder Instagram-Kanal.“

Sielings Herausforderer, Carsten Meyer-Heder, ist auf Facebook und Instagram aktiv – unterstützt von einem Team, das seine Beiträge mit dem Zusatz (red) kennzeichnet. Während Sieling über seine Arbeit als Bürgermeister und Präsident des Senats informiert, ist Meyer-Heder auch online im Wahlkampf-Modus. Er präsentiert sich als Macher, zeigt Videos aus seiner Serie „Carsten trifft...“.

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Welche Ziele verfolgen SPD und CDU?

Die SPD will über soziale Medien informieren und mit den Menschen in Kontakt kommen, sagt Pahl. „Das Ziel ist nicht anders als bei den traditionellen Offline-Aktivitäten.“ Facebook & Co. spielten im Wahlkampf eine bedeutende Rolle. Die CDU sieht das ähnlich. Meyer-Heder wolle einen Einblick in seinen Alltag als Spitzenkandidat, aber auch private Einblicke geben, Diskussionen anregen und politische Statements setzen, sagt Sprecherin Rebekka Grupe. „Social Media ist für viele Menschen ein erster und niedrigschwelliger Zugang zu Politik und ihren Inhalten. Spannende und ungewöhnliche politische Kommunikation kann dazu beitragen, die Wahlbeteiligung zu erhöhen.“

Wie professionell nutzen die Bremer Parteien soziale Medien?

„Bei SPD und Grünen wirkt es wie eine Pflichtübung“, sagt der Direktor des Zentrums für Arbeit und Politik an der Universität Bremen, Andreas Klee. „Ich habe nicht den Eindruck, dass sie damit große Hoffnungen verbinden, neue Wählergruppen zu erschließen.“ Meyer-Heder habe einen anderen Stil. „Da wirkt es geplanter und strategischer.“ Allerdings gelinge es auch ihm nicht, eine große Menge von Menschen zu begeistern, sagt der Politikwissenschaftler mit Verweis auf die eher geringe Abonnentenzahl des Politik-Quereinsteigers. FDP und Linke nutzen soziale Medien nach eigenen Angaben bewusst für den Wahlkampf und wollen darüber mit Menschen ins Gespräch kommen. Besonders aktiv in den sozialen Medien ist die AfD. Die Partei „sieht das Internet als Kampfgebiet“, sagt Klee. Dort wolle die Partei ihre Sicht der Wirklichkeit darstellen. „Über Social Media erzielen wir unter allen Parteien die größte Reichweite“, bestätigt der Bremer AfD-Landesvize Thomas Jürgewitz.

Wer hat die meisten Follower?

Unter den Bremer Parteien hat die AfD mit rund 14 000 Abonnenten auf Facebook die meisten Fans. Welche Reichweite die Partei haben kann, zeigt ein Video des AfD-Spitzenkandidaten Frank Magnitz vom 8. Mai, das mehr als 100 000-mal aufgerufen wurde. Die Linke in Bremen hat rund 5 000 Abonnenten, die FDP etwa 4 400 und die Grünen rund 3 000. Die Bremer CDU zählt auf Facebook etwa 2 400 Abonnenten, die Regierungspartei SPD rund 2 100. Unter den Spitzenleuten hat die 33-jährige Lencke Steiner von der FDP mit Abstand die meisten Follower. Mehr als 19 200 Menschen haben ihren Facebook-Auftritt abonniert. Besonders oft gesehen wurde ein Video, in dem sie aus ihrem Bett heraus einen Angriff auf den AfD-Politiker Magnitz kommentiert. Mehr als 43 000-mal wurde es aufgerufen und bundesweit in Medien kommentiert. Die Bürgermeister-Seite von Sieling hat rund 6 600 Abonnenten.

Welche Wirkung erreichen die Bremer Parteien über soziale Medien im Wahlkampf?

Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Klee sind Facebook & Co. insbesondere für die größeren Parteien in Bremen derzeit kein starkes Wahlkampf-Instrument. „Es gibt schon die Möglichkeiten, Zielgruppen zu definieren und das viel strategischer zu machen. Davon ist der Landtagswahlkampf in Bremen Lichtjahre entfernt.“    

dpa

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