Serie „Mein Kunst-Stück“

Versteckte Malerei: Holger Saathoff und sein Bild „Moorbrand“

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Holger Saathoff hat in seinem Werk „Moorbrand“ Kindheitserinnerungen zu Papier gebracht.

Bremen - Von Tido Davids. Holger Saathoff hätte sich seinen Ruhestand eigentlich redlich verdient. Als Bauleiter war der 63-Jährige kreuz und quer in der Bundesrepublik unterwegs. Bis seine Wirbelsäule nicht mehr so wollte wie er. Frühzeitiger Ruhestand war die Folge. Seitdem betreibt der Bremer zusammen mit einem Freund das „Glashaus Pusdorf“. Sein Werk „Moorbrand“ präsentiert Holger Saathoff heute in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“.

Das Kunstwerk zeigt einen Moorbrand, gefertigt mit Aquarellfarben auf Seidenpapier. Speziell die Arbeit damit bereite ihm Freude. In Kombination mit den flüssigen Aquarellfarben gewinnt das Bild eine gewisse Eigendynamik, weil die Farben auf dem Seidenpapier stetig verlaufen. Ursprünglich sollte das Bild etwas ganz anderes zeigen. Angelehnt an eine Kindheitserinnerung wurde daraus das Abbild eines Moorbrandes. „Eigentlich habe ich versucht, das Bild zu retten. Aus der Rettung habe ich dann etwas Schönes gemacht“.

Zur Malerei kam der Künstler bereits im Kindesalter. Doch bis zur Rente blieb dies eine Randerscheinung, auch weil das Berufsleben kaum Platz für Hobbys ließ. „Als Bauleiter steht man morgens um 6 auf und kommt abends um 7 wieder. Danach machst Du nichts mehr, schläfst höchstens noch auf dem Sofa vor der Tagesschau ein.“ Trotzdem: Seine Begabung hat er nie aus den Augen verloren. Selbst während der Arbeitszeit malte er, wenn auch eher unkonventionell. „In der Kunsthalle hängen auch Bilder von mir – hinter den Wänden“, erzählt er schmunzelnd. Denn als die Kunsthalle 1993 zum ersten Mal umgebaut wurde, war Holger Saathoff auch dort als Bauleiter tätig. Um seinen Monteuren eine Freude zu machen, hat sich der gelernte Trocken- und Akustikbauer während der Umbauarbeiten auf dem Putz verewigt. Sogar auf dem Bremer Flughafen hat sich der Künstler im Verborgenen zu schaffen gemacht. Ob das keine Sachbeschädigung sei? „Nein, die Wände werden übergemalt oder verkleidet“, versichert er.

Der Alltag, nicht nur als Künstler, hat sich seit seinem Ruhestand verändert. Das Atelier öffnet, wenn er Zeit und Lust hat. Öffnungszeiten nach Vereinbarung eben. Gemeinsam mit seinem Freund Burkhard Preiss bezog Holger Saathoff die ehemaligen Räumlichkeiten eines Reisebüros. „Als wir anfingen, kamen immer mehr Kinder zu uns und fragten, was wir hier machen würden.“ Daraus entstand ein Angebot speziell für Kinder, das seither jeden Freitag auf dem Programm steht: gemeinsames Malen, einen Drachen bauen oder vereinzelte Tagesausflüge. Auch als immer mehr Flüchtlinge nach Woltmershausen kamen, malten und werkelten beide zusammen mit den Neu-Bremern. Inzwischen gibt das Duo sogar aushilfsmäßig Werkunterricht an der Oberschule Roter Sand.

Am Künstlerdasein nerve ihn das ewige Handeln um seine Bilder. „Der Rahmen eines Bildes alleine kostet mich 40  Euro. Dann kommt einer und bietet mir für das gesamte Bild 50 Euro“, ärgert sich der Künstler. Ehrliche Arbeit habe ihren Preis, aber als Rentner müsse er zum Glück keine Bilder verkaufen.

Ob wir Kunst brauchen? „Ja, damit sich Menschen an Dingen, die sie schön finden, erfreuen können.“ Ihm ginge es beim Betrachten verschiedener Werke genauso. Zwar habe er keinen Lieblingskünstler, „aber ich hole mir Inspiration von anderen und interpretiere dann deren Stil“, sagt Saathoff. Ein Werk als Botschaft könne er sich schwer vorstellen. „Ich habe zwar einmal ein Bild zum Islamischen Staat gemalt. Aber wenn ich immer politisch arbeiten sollte, müsste ich 48 Stunden am Tag malen.“

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