Vollgas im Modezirkus

Temporeiche Show „Fashion“ feiert im GOP-Theater ihre Premiere

+
Das „Fashion“-Ensemble tanzt und spielt seine Energie ins Publikum.

Bremen - Von Ralf Sussek. In diesem Jahr feiert das Bremer GOP-Theater sein fünfjähriges Bestehen. Die gerade beendete Varieté-Saison war eine sehr erfolgreiche. Fast 120 000 Gäste begrüßten Theaterdirektor Philipp Peiniger und sein Team. Die neue Show „Fashion“ ist die 31. in Bremen; sie gibt nicht nur den Startschuss in die sechste Saison, sie ist auch ein Versprechen auf eine gute Zukunft des Varieté-Theaters in der Überseestadt.

Bei „Fashion“ arbeitet das GOP nun nach „Move“ und „Lipstick“ zum dritten Mal mit dem Theater „Bingo“ aus Kiew zusammen. Die Geschichte, die die ausnahmslos gelungenen Akrobatiknummern verbindet: In einer Schneiderei wird ein Kleid für eine große Modenschau entworfen und genäht – Zeitdruck trifft auf Kreativität. Eine große Uhr zeigt den Countdown. Da heißt es, Gas zu geben.

Gas geben den ganzen Abend über auch die Künstler aus der Ukraine. Es bleibt wenig Zeit zum Luftholen. Die Artisten, Musiker und Conférenciers (alias Schneider und Designer) sind zwischen den Nummern fast ständig komplett auf der Bühne versammelt. Sie tanzen zu modernen Rhythmen (wie „No roots“ von Alice Merton oder Pharrell Williams’ „Freedom“), sie spielen ihre Energie ins Publikum. Statt Momenten der Verträumtheit und Poesie wie bei der Zirkusgeschichte in „La Luna“ geht es an diesem Premierenabend am Mittwoch Schlag auf Schlag. So wie es halt angeblich zugehen soll im – um im Jargon zu bleiben – klassischen Modezirkus.

Einer klassischen Kunstform hat sich Anton Shcherbyna angenommen. „Rola-Rola“ ist ein Zirkus-Requisit aus dem Mittelalter. Auf kleinen Röhren liegt ein Brett, auf dem der Artist balanciert. Nur dass Shcherbyna am Schluss gar einen Rola-Turm aus vier Röhren baut, und zwar so, dass jede der Röhren nach einer Seite wegrollen könnte. Tun sie aber nicht, obwohl der 25-Jährige mit dem gesamten Turm eine 360-Grand-Wende vollführt.

Ohne Requisit agieren Oleksandr Shpyn und Yelyzaveta Vasylyha in ihrer Akrobatik. Der 22-Jährige wirbelt seine ein Jahr jüngere Partnerin zwischen den Kraftelementen aber mit einem derartigen Tempo durch die Luft, dass man sich kaum vorstellen mag, wie schmerzhaft die Trainingsversuche zu dieser Liebesgeschichte auf der Bühne wohl ausgefallen sind.

Ausgefallen ist auch die Show von Alexey Bitkine, der am vertikalen Pole, einem mehrere Meter hohen Mast, hinaufklettert, herunterrutscht oder einfach mal in einer horizontalen Position verharrt, die den Glauben an die Schwerkraft schwinden lässt. Und all das mit Kopfbewegungen im Takt zur Musik und einer Attitüde der Mühelosigkeit, als wäre es das Einfachste von der Welt.

„Mode ist, was tief ihn ihrer Seele versteckt ist“, wird Ralph Lauren während der Show zitiert. Dieses Wort schreibt der schnelllebigen, vergänglichen Welt des Äußeren zu viel Tiefe zu. „Fashion“ hat dies nicht nötig: Die Show ist einfach ein artistisches, temporeiches und energetisches Erlebnis, das vom Premierenpublikum verdientermaßen stürmisch gefeiert wurde.

www.variete.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

"Äußerst ungewöhnlich": 20 Grad mitten im Februar

"Äußerst ungewöhnlich": 20 Grad mitten im Februar

Karneval in Drebber in der Vereinsgaststätte Halfbrodt

Karneval in Drebber in der Vereinsgaststätte Halfbrodt

Wie werde ich Fachkraft für Möbel- und Umzugsservice?

Wie werde ich Fachkraft für Möbel- und Umzugsservice?

Beim Betonieren kommt es auf die richtige Mischung an

Beim Betonieren kommt es auf die richtige Mischung an

Meistgelesene Artikel

Detlef und Jan Pauls eröffnen renoviertes Uni-Gästehaus auf dem Teerhof

Detlef und Jan Pauls eröffnen renoviertes Uni-Gästehaus auf dem Teerhof

Neidische Männer verprügeln Glückspilz am Spielautomaten

Neidische Männer verprügeln Glückspilz am Spielautomaten

Bremens Feuerwehrleute erhalten neuen Schutz vor giftigen Stoffen

Bremens Feuerwehrleute erhalten neuen Schutz vor giftigen Stoffen

Krebserkrankung: Chronisch statt tödlich - Therapie deutlich verbessert

Krebserkrankung: Chronisch statt tödlich - Therapie deutlich verbessert

Kommentare