Update: Ermittler klären auf

„Ohne eine Erklärung“ – Bewaffneter Polizeieinsatz schockt junge Familie

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Nina Herold und Sohn Phil im Garten des Hauses an der Schlossweide in Bruchhausen-Vilsen, der am Montag Schauplatz des Einsatzes war.

Familie Herold aus Bruchhausen-Vilsen steht unter Schock: Ein bewaffnetes mobiles Polizeikommando hat am Montag gegen 17 Uhr ihr Zuhause durchsucht und die Eltern sowie ihren zwölfjährigen Sohn in Schach gehalten – und ist nach einer knappen Stunde verschwunden. „Ohne eine Erklärung“, sagt Nina Herold. Ihre Nachfragen bei der Polizei blieben bisher ergebnislos.

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Die Polizei hat Familie Herold aus Bruchhausen-Vilsen am Donnerstag ihr Vorgehen beim MEK-Einsatz ganz genau erklärt. Zudem brachten sie Spielzeug als Geschenke für die beiden Söhne mit.

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Erst am späten Mittwochabend bemüht sich die Polizei Diepholz um weitere Aufklärung in diesem Fall. Es sei ein Schlag gegen bundesweit aktive Trickbetrüger gelungen.

Mobiles Einsatzkommando dringt in Haus ein

Br.-Vilsen – „Wir sind noch immer geschockt“, sagt Nina Herold. Die 31-Jährige hat ihren einjährigen Sohn Phil auf dem Arm und steht im Garten, der am Montag gegen 17 Uhr Schauplatz eines Polizei-Einsatzes unter Waffen an der Schlossweide in Bruchhausen-Vilsen war. Warum rund zehn Beamte eines mobilen Polizei-Kommandos wie das SEK das Haus durchsuchten, weiß die dreifache Mutter nicht: „Wir haben immer wieder gefragt, aber es hat uns niemand eine Antwort gegeben.“

Das Geschehen schildert das Ehepaar so: Vater Nils (37) will Sohn Phil in ein Kinderauto im Garten setzen, als ihm ein Zivilwagen auffällt. „Dabei habe ich mir nichts gedacht“, sagt der Dachdecker. Als aber bewaffnete Polizisten mit Sturmhauben auf das Grundstück gekommen seien, habe er sich unglaublich gewundert.

Nur eine Verwechslung?

„Sie haben meinem Mann die Hände auf den Rücken gelegt und mit Handschellen gefesselt“, so Nina Herold, die das Geschehen vom Wohnzimmer aus beobachtete. „Ich bin dann rausgelaufen und habe ,Stop’ gerufen.“ In der Überzeugung, dass es sich um eine Verwechslung handelt, sei sie den Anordnungen der Polizei bewusst nicht gefolgt: „Dann hat mir jemand in den Nacken gegriffen und mich runtergedrückt.“

„Ich dachte, da sind Einbrecher im Haus“

Der kleine Phil sei einfach zur Seite gestellt worden: „Er stand da völlig ohne Aufsicht“, klagt die Mutter. Ihre 13-jährige Tochter war außer Haus, aber ihr Sohn Max (12) in seinem Zimmer: „Ich wollte meinen Freunden gerade eine WhatsApp schreiben, dass hier was nicht stimmt“, berichtet er. „Ich dachte, da sind Einbrecher im Haus.“ Plötzlich sei ein Polizist mit Sturmhaube ins Zimmer gekommen und habe ihn aufgefordert, sich mit ausgestreckten Armen auf den Boden zu legen: „Er hat mir den rechten Arm auf den Rücken gelegt.“ Die Polizisten hätten dann kontrolliert, ob weitere Personen im Haus sind.

Nach knapp einer Stunde sei der Spuk vorbei gewesen, sagt Nina Herold. „Die haben sich noch für die Kooperation bedankt“, wundert sich ihr Ehemann.

Nachbarn beobachteten den Zugriff

Warum das Einsatz-Kommando ihr Haus durchsucht hat, weiß Nina Herold bis heute nicht – und hat Angst um den Ruf ihrer Familie: „Die Schikane vor den Nachbarn war echt hart!“ Denn viele hätten auf der Straße gestanden und den Zugriff der Polizei beobachtet – und nun möglicherweise völlig unbegründet Vorurteile: „Wir wohnen ja erst drei Monate hier.“ Zweimal habe sie nach dem Einsatz bei der Polizei um eine Erklärung gebeten: „Ich habe keine Antwort erhalten, und ein versprochener Rückruf kam nicht.“

Sie und ihr Mann Nils können sich den Zugriff der Polizei nur so erklären: „Das war eine Verwechslung. In einem hinter uns liegenden Haus hat es im vergangenen Jahr einen SEK-Einsatz gegeben.“ Hintergrund war damals ein Raubüberfall auf eine Familie am Sollacker gewesen (wir berichteten).

Lage des Hauses ausschlaggebend?

Auf Anfrage erklärte Polizei-Pressesprecher Thomas Gissing, dass nicht das SEK, sondern das MEK – das mobile Einsatzkommando – vor Ort und der Einsatz durchaus geplant gewesen sei. „Es ging um das Gebäude. Aber es ging nicht um die darin wohnenden Personen“, betont Gissing. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne die Polizei im Augenblick keine weiteren Informationen geben, so der Polizei-Pressesprecher. Spätestens dann, wenn die Ermittlungen abgeschlossen seien, werde die Familie eine Erklärung erhalten.

Der kurze Verweis des Pressesprechers auf das Gebäude lässt den Schluss zu, dass die Lage des Hauses der Familie an der Schlossweide ausschlaggebend war – sprich die Nähe zu dem vor einem Jahr durchsuchten Haus.

Update der Polizei Diepholz: Schlag gegen Trickbetrüger

Einzelheiten des Einsatzes am Montag in Bruchhausen-Vilsen konnte Gissing nicht nennen – auch nicht dazu, warum Nils Herold ohne Erklärung gefesselt worden war. Erst am späten Mittwochabend bemüht sich die Polizei Diepholz um Aufklärung und spricht von einem bundesweiten Schlag gegen organisierte Trickbetrüger.

Bleibt nur die Schlussfolgerung, dass die Polizisten eine persönliche Reaktion des Familienvaters als Widerstand gedeutet hatten und ihm deshalb Handschellen anlegten. Er sei schon mal zu schnell gefahren, erklärt Nils Herold. Aber ansonsten sei er noch nie mit der Polizei in Konflikt gekommen, fügt er hinzu. Er hat am Dienstag Geburtstag gefeiert – immer noch ganz unter dem Eindruck des Polizei-Einsatzes.

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