Schuleingangsuntersuchungen mit teilweise alarmierenden Zahlen

Jedes siebte Kind im Landkreis Diepholz hat Karies

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Für gesunde Zähne müssen Kinder eigentlich nur mindestens einmal am Tag eine fluoridhaltige Zahnpasta benutzen. Viele Kitas bieten das aber aufgrund von Zeitmangel nicht mehr an.

Landkreis Diepholz - Von Luka Spahr. Es sind alarmierende Fakten, die Susanne Feußahrens am Mittwoch im Ausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales des Landkreises Diepholz präsentiert hat. 65 Prozent der Kinder im Kreis, die das sechste Lebensjahr vollendet haben und damit schulpflichtig sind, können nicht schwimmen.

Jedes siebte Kind hat sichtbare Fälle von Karies. Es sind Zahlen wie diese, die hängen bleiben. Feußahrens ist Ärztin im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst in Diepholz. Im Ausschuss präsentierte sie die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen für das Schuljahr 2017/2018.

Auch psychologisch sieht es bei vielen Kindern derweil nicht besser aus. Ein Viertel lebe in psychosozial belastenden Situationen, rechnete die Ärztin den Ausschussmitgliedern vor. Hinzu käme eine „hohe Dunkelziffer“.

Eine umfassende Untersuchung zum Thema Medienkonsum habe ebenfalls Defizite ergeben. Während Ärzte für Kinder maximal 30 Minuten Fernsehen am Tag empfehlen, liegen viele im Kreis weit darüber. Ein Viertel des Nachwuchses schaue mehr als eine Stunde am Tag. Die potenziellen Folgen: Hyperaktivität, Entwicklungs- und Sprachstörungen.

Sprachprobleme bei Kindern nehmen zu

Zu Letzteren nannte die Ärztin Zahlen: Der Sprachstand im Landkreis habe sich verschlechtert. Von den 1902 untersuchten Kindern würden 15 Prozent fehlerfrei Deutsch sprechen, 34 Prozent mit zumindest nur leichten Fehlern. 

Demgegenüber stehen abseits des Mittelfeldes jedoch 32 Prozent mit erheblichen Sprachproblemen. Acht Prozent der Kinder sprechen überhaupt kein Deutsch. Bei insgesamt rund 77 Prozent der Bevölkerung im Landkreis sei die Familiensprache Deutsch.

Der hohe Anteil von Migrantenfamilie habe außerdem dazu geführt, dass es Kindergärten gebe, in denen kaum mehr Deutsch gesprochen werde. Auf der anderen Seite würden jedoch auch viele Kinder aus Migrantenfamilien gar keine Nachmittagsbetreuung wahrnehmen und zuhause bleiben, so Feußahrens. Dies sei nicht förderlich für ihre Entwicklung.

Etwa jedes zehnte Kind ist nicht geimpft

Darüber hinaus haben Untersuchungen zum Thema Impfungen „alarmierende Zahlen“ ergeben, so die Ärztin. Nur zwei Drittel aller Kinder seien ausreichend geimpft. Bei ausländischen Kindern sei es sogar nur die Hälfte.

Um eine flächendeckende Vorsorge bei Infektionskrankheiten zu gewährleisten, ist eine Durchimpfungsquote von 90 Prozent erforderlich. Die sei zwar insgesamt gerade noch gegeben, aber man kratze derzeit an dieser Linie. Neben einer oft verbreiteten Impfskepsis vermutet Feußahrens die Ursache hierfür auch beim erhöhten Zuzug aus dem Ausland in den vergangenen Jahren. Viele ausländische Familien wüssten zum Beispiel nicht, dass Impfungen für Kinder in Deutschland kostenlos seien.

Bei den vorgestellten Zahlen gab es aber auch Lichtblicke: Die Standardimpfungen gegen Masern, Mumps und Röteln sind noch auf einem stabilen Niveau. 98 Prozent der Kinder im Landkreis gehen vor der Schule in einen Kindergarten – der Landesschnitt liegt mit 97,2 Prozent knapp darunter. Und: Der Anteil übergewichtiger Kinder hat abgenommen. 87 Prozent unter ihnen seien heute normalgewichtig.

Viele Kinder sind nicht in einem Sportverein aktiv

Im Anschluss waren es jedoch vor allem die Negativ-Fälle, die die Abgeordneten beschäftigten. So vermutete Dieter Engelbart (CDU), dass die vielerorts schließenden Schwimmbäder in den Kommunen für die mangelnde Schwimmfähigkeit der Kinder verantwortlich sein könnten.

Die fehlende Fitness hat Folgen, wie Feußahrens noch einmal unterstrich. Mehr als 40 Prozent der Kinder seien nicht in einem Sportverein aktiv, dadurch steige die Anzahl der Kinder, die Einschränkungen bei Grob- und Feinmotorik aufweisen. Das treffe derzeit auf ein Drittel der Kinder zu.

Mit den „Fit-in-Fünf“-Untersuchungen gibt es außerdem eine Folgeerfassung für Kinder in der fünften Klasse. Feußahrens: „Auch hier sind erhebliche Nichtschwimmer-Raten dabei.“

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