Europäisches Fachzentrum für Moor und Klima vereint Naturbildung und Forschung

„Ein Kranich kann nicht ohne Flügel fliegen“

Leiterin Dr. Michaela Meyer ist mit der Entwicklung der Moorwelten sehr zufrieden. Foto: Russ

Ströhen - Von Melanie Russ. Der Kranich hat seine Schwingen ausgebreitet und gleitet längst sicher über das Moor. „Inzwischen sind wir angekommen“, sagt Dr. Michaela Meyer, Leiterin des Europäischen Fachzentrums für Moor und Klima (EFMK) in Ströhen, das am 11. August mit einem großen Fest sein fünfjähriges Bestehen feiert und mit seiner Gebäudeform an den „Vogel des Glücks“ erinnern soll.

Meyer meint damit zum einen die Mitarbeiter und Wissenschaftler des Fachzentrums. „Jeder identifiziert sich mit dem Haus und bringt eigene Ideen ein.“ Aber auch in der Öffentlichkeit hat sich das 2014 gestartete etwa 3,8 Millionen Euro teure Projekt etabliert. Zwar werden die anfangs (recht optimistisch) anvisierten 25 000 Besucher jährlich nicht erreicht, dennoch ist Michaela Meyer sehr zufrieden. 7 000 bis 10 000 Besucher kämen pro Jahr, berichtet sie. „Wir haben einen wahnsinnig großen Zulauf an Gruppen. Gerade im Winter war das Haus voll“, freut sie sich. Auch viele Schulklassen nutzen die Moorwelten, um ganz praktisch etwas über die heimische Natur zu lernen.

Neben den zahlreichen Informationsveranstaltungen und Naturführungen oder dem vor allem bei kleinen Besuchern beliebten Barfußpark bieten die Moorwelten auch Raum für Privatveranstaltungen. Bei Kindergeburtstagen zum Beispiel steigt die Nachfrage laut Meyer. Die Moorwelten bieten dafür ein professionelles Programm an, das zum Beispiel eine Schatzsuche im Moor beinhalten kann. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der Ströher Moorbahn. Wenn Gruppen ein Angebot im Moor buchen, dann ist sie laut Meyer fast immer dabei.

Die eigene Dauerausstellung wird regelmäßig durch Wanderausstellungen ergänzt. Im kommenden Jahr steht beispielsweise der Wolf im Mittelpunkt. „Je mehr man macht, desto mehr Leute kommen“, ist Meyers Erfahrung. Darum möchten sie und ihre Mitstreiter das Angebot kontinuierlich erweitern. „Veränderung ist wichtig. Ich glaube, es tut gut, wenn man neue Ideen zulässt.“ Die kommen zum Teil auch von den Gesellschaftern des Fachzentrums: dem Förderverein, dem BUND und der Gemeinde Wagenfeld. „Es ist eine gute Zusammenarbeit, jeder lässt seine Kontakte spielen. Vieles wäre nicht gegangen, wenn die Gesellschafter nur Geld überweisen würden“, so Meyer.

Anfängliche Bedenken, dass die Moorwelten in Konkurrenz zu ähnlichen Institutionen der Region wie dem Buez in Barnstorf oder dem Nuez in Goldenstedt treten könnten, sind laut Meyer verflogen. Jede Institution habe einen etwas anderen Schwerpunkt und ein anderes Einzugsgebiet. In die Moorwelten kämen zum Beispiel viele Besucher aus Nordrhein-Westfalen.

Als etwas Besonderes bezeichnet die EFMK-Leiterin die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Praktikern. „Das ist in der Region einzigartig.“ Sieben Projekte laufen derzeit parallel. Die Forschungen stehen zwar eher selten im Licht der Öffentlichkeit, sind für Michaela Meyer aber genauso bedeutsam für das Fachzentrum wie die Tourismus- und Bildungsangebote der Moorwelten. „Denn ein Kranich kann nicht ohne Flügel fliegen“, nimmt sie Bezug auf die angedeutete Kranichform des Gebäudes mit dem Ausstellungsbereich als Körper und den Räumen der Wissenschaftler in den Flügeln.

Durch das geballte Fachwissen im Haus und informative Veranstaltungen habe sich das EFMK auch in der Bevölkerung als Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Natur etabliert. Gerade über die Fachkräfte des BUND Diepholzer Moorniederung könne vieles gut abgedeckt werden.

Den wissenschaftlichen Bereich möchte Meyer weiter stärken und darum auch wieder eine wissenschaftliche Leitung etablieren. Deren Aufgabe bestünde unter anderem im Ausbau der Zusammenarbeit mit Akteuren im Bereich Forschung und mit Hochschulen und der Entwicklung einer Wiedervernässungsstrategie für die Diepholzer Moorniederung. Darüber hinaus hat das EFMK die Anerkennung als außerschulischer Lernstandort beantragt.

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