Landkreis Rotenburg erwartet weitere Gülle-Einschränkungen

Bauern fordern mehr Zeit

Das Ausbringen von Gülle dürfte im Landkreis noch weiter eingeschränkt werden. Foto: imago images / photothek

Rotenburg – Landwirte im Landkreis Rotenburg müssen mit weiteren Einschränkungen beim Ausbringen von Gülle und Mineraldünger rechnen. Zu den Maßnahmen der im vergangenen Jahr in Kraft getretenen bundesweiten Düngeverordnung dürfen die Bundesländer über eine Öffnungsklausel verschärfte Maßnahmen erlassen.

Das ist zwar bislang nicht geschehen, gilt aber für Großteile der Landkreise Emsland, Osnabrücker Land, Cloppenburg, Oldenburg-Land, Cuxhaven, Stade und eben auch Rotenburg als wahrscheinlich. Für Herbst sollen diese besonders nitratbelasteten Gebiete ausgewiesen werden, heißt es von den zuständigen Ministerien in Hannover. Man sei bei der Festlegung in einer „relativ finalen Phase“, sagte die Sprecherin des Agrarministeriums.

Die Böden im Landkreis Rotenburg sind wie in sechs weiteren Kreisen in Niedersachsen weiterhin zum Teil stark überdüngt. Das geht aus dem im April veröffentlichten Nährstoffbericht 2018 hervor. Hier werden auf beprobten Feldern die zulässigen Obergrenzen für Stickstoff und Phosphat überschritten, und das schon seit vielen Jahren.

Dem Vorsitzenden des Landvolks Rotenburg-Verden und Vize des Landesverbandes, Jörn Ehlers, ist das Thema natürlich vertraut. Er sagt aber auch, dass weiterhin viel Unsicherheit in der Branche herrsche, da Bund und Land bezüglich der Maßnahmen nicht konkret würden. Ehlers: „Welche Gebiete genau als nitratsensibel ausgewiesen werden, ist uns bis jetzt nicht bekannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass weite Teile Rotenburgs dazu zählen werden, ist groß, und dies haben wir seit etwa einem halben Jahr unseren Mitgliedern kommuniziert.“ 38 Prozent Niedersachsens sollen laut Ehlers in diese Gebietskulisse fallen.

Der Kreislandwirt erwartet von den weiteren Einschränkungen zusätzliche Kosten und weiteren bürokratischen Aufwand. Er betont aber auch, dass durch die neue Düngeverordnung bereits vieles auf dem Weg sei, „sie wird die gewünschten Effekte zeigen“. Lücken des alten Gesetzes seien korrigiert und Kontrollmöglichkeiten der Behörden erweitert worden. Landwirte müssten sparsamer und effektiver Düngen, um Böden und Grundwasser zu schonen. Nur brauche das Zeit. Ehlers: „Politik sollte sich die Zeit nehmen, die Wirkung der erlassenen Gesetze abzuwarten.“

Scharfe Kritik kam zuletzt von den Grünen: Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Miriam Staudte, warf den zuständigen Agrarministerinnen im Land und Bund, Barbara Otte-Kinast und Julia Klöckner (beide CDU), „Arbeitsverweigerung“ vor. Immerhin habe die Groko in Niedersachsen die roten Gebiete ursprünglich schon bis Herbst 2018 ausweisen wollen. „Ausgerechnet das Agrarland Niedersachsen schafft es im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern nicht, die besonders belasteten roten Gebiete auszuweisen. Dieses organisierte Nichtstun aus falsch verstandener Loyalität gegenüber der Agrarindustrie ist ein Skandal“, erklärte Staudte.

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