Kreisbrandmeister Peter Dettmer im Interview

„Es muss ein Umdenken stattfinden“

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Auf einem Feld zwischen Jeersdorf und Westerholz geht ein landwirtschaftliches Gefährt in Flammen auf. Einsätzen wie diesem, wo die Feuerwehr Schlimmeres verhindern muss, gehen die hohe Sommerhitze und Trockenheit voraus. 

Trockenheit und Hitze haben die Kameraden im Landkreis in den zurückliegenden Wochen gefordert, wie es sonst nur eher kurzfristig bei größeren Schadenslagen wie Hochwasser oder Stürmen der Fall ist.

Rotenburg – Viele Dorfteiche in der Region sind in diesem Sommer ausgetrocknet. Wo bekommt nun die Feuerwehr Wasser her, wenn es mal brennt? Darüber und über die Einsatzarbeit der Brandschützer in Zeiten des Klimawandels haben wir ein Gespräch mit Kreisbrandmeister Peter Dettmer geführt.

Herr Dettmer, wie sehen Sie die zurückliegenden Wochen? Haben Sie einen solchen Sommer schon mal erlebt?

Die letzten Wochen waren aus Sicht der Feuerwehr schon sehr speziell, gerade in Hinsicht der Wetterbedingungen. Wir hatten in den vergangenen Jahren sicherlich schon ähnliche Trockenperioden, aber in diesem, wie auch schon im letzten Jahr, war es schon sehr extrem.

Wie hat sich das im Einsatzgeschehen bemerkbar gemacht?

In den Monaten Juni und Juli wurden die Feuerwehren im Landkreis 23 mal zu Flächen- oder Waldbränden alarmiert. Das ist eine Steigerung um fast 50 Prozent zu nicht so trockenen Jahren.

Also hat der Klimawandel auch ganz eindeutig Einfluss auf das Feuerwehrwesen.

Langfristig gesehen wird das sicher der Fall sein, ja. Es ist mit mehr Wetterextremen zu rechnen, was sich bei Unwetterlagen wie Sturm, Regen und Hochwasser sowie Trockenheit bei den Einsatzzahlen widerspiegeln wird.

Sitzt die Feuerwehr denn schon auf dem Trockenen. Oder anders gefragt: Hat sie ein Problem bei der Löschwasserversorgung?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Wasserstände in den Gewässern sinken. In solchen Fällen müssen die Feuerwehren dann bei der Wasserentnahme aus öffentlichen Gewässern Maßnahmen durchführen, welche dieses ermöglichen. Dieses kann zum Beispiel durch das Aufstauen eines fließenden Gewässers erreicht werden.

In welchen Teilen unseres Landkreises wird es denn besonders knapp mit der Versorgung?

Mir ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt, dass es in bestimmten Bereichen des Landkreises zu solchen Problemen kommt.

Wie sieht es mit den Wasservorräten aus, die die Löschfahrzeuge mit sich führen – sind die während eines Einsatzes nicht schnell erschöpft?

Sicherlich sind die endlich, aber durch gezieltes Vorgehen kann mit der Wassermenge eines Löschfahrzeuges viel erreicht werden. Zum anderen werden gerade bei Flächen- oder Waldbränden schon früh weitere Kräfte zur Unterstützung dazu alarmiert.

Stichwort Zusammenarbeit. Wie erleben Sie diese als Kreisbrandmeister unter den Feuerwehren? Gerade im Hinblick auf die jüngsten Vegetationsbrände?

Die Zusammenarbeit der Freiwilligen Feuerwehren ist nicht nur bei uns im Landkreis eine ganz besondere. Egal, wo ein Feuer oder andere Einsätze so groß werden, dass es nötig wird, Verstärkung anzufordern oder wo schon von vornherein weitere Kräfte alarmiert werden – es ist für alle eine Selbstverständlichkeit dort zu helfen. Auch über Orts-, Gemeinde- oder Kreisgrenzen hinaus.

Wie verhält es sich beim Löschangriff in Ortschaften, wo Bebauung vorhanden ist?

Das Vorgehen ist dort nicht wirklich anders als bei einem Flurbrand. Ein großer Vorteil ist dort aber die zentrale Wasserversorgung, welche das Auftanken der wasserführenden Fahrzeuge erleichtert, weil die Wege kürzer sind.

Inwiefern unterscheiden sich Einsätze beim Vegetationsbrand von denen bei einem gewöhnlichen Hausbrand?

Jeder Brandeinsatz, sei es der Gebäudebrand oder der Flächenbrand, ist für die Feuerwehrfrau oder den Feuerwehrmann eine besondere körperliche Belastung. Bei Flächenbränden ist aber gerade die in der Regel herrschende, hohe Temperatur eine besondere Herausforderung. Dort, ebenso wie beim Gebäudebrand, speziell als Atemschutzgeräteträger im Innenangriff, ist darauf zu achten, dass genügend Flüssigkeit zu sich genommen wird. Bei länger andauernden Einsätzen sind genug Pausen einzulegen, um den Körper nicht zu stark zu belasten.

Wie hat sich die Feuerwehr denn generell vorbereitet, wenn in diesen Wochen jede achtlos weggeworfene Kippe oder jeder Funke einen Flächenbrand auslösen kann?

Ab einer erhöhten Waldbrandstufe werden grundsätzlich schon weitere Kräfte alarmiert, um von vornherein genug Einsatzkräfte sowie wasserführende Fahrzeuge auf den Weg zur Einsatzstelle zu bringen. Zum anderen stehen der Feuerwehr immer wieder Landwirte mit wassergefüllten Güllefässern zur Seite, welche dann bei der Brandbekämpfung unterstützen. Bei den Kameraden muss niemand umdenken. Wir sind aufgrund unserer Tätigkeit in der Feuerwehr schon sensibel genug, gerade bei lang anhaltender Trockenheit. Ein Umdenken muss bei vielen anderen stattfinden, indem das Grillen im Freien oder der unachtsame Umgang mit offenem Feuer im Allgemeinen unterlassen wird.

Werden Sie da bitte mal konkreter.

Nun, zum Beispiel sollte man keineswegs sein Fahrzeug mit heißer Abgasanlage über trockenem Gras abstellen. Zigarettenkippen gehören eh in dafür vorgesehene Behälter und nicht auf den Boden. Auch Flaschen oder Gläser sollten nicht unachtsam weggeworfen werden.

In diesem Jahr ist es während der Ernte auch vermehrt zu Mähdrescherbränden gekommen, die zu Flächenbränden in der Vegetation geführt haben. Hätten die sich nicht auch von Anfang an vermeiden lassen können?

Dazu möchte ich so keine Aussage treffen. Oftmals sind dies technische Probleme, die ich nicht bewerten kann.

Der Sommer ist noch lang, die Trockenheit hält weiter an. Was wünschen Sie sich für den Rest der Jahreszeit?

Nach Möglichkeit keine Einsätze, was aber wohl kaum eintreten wird. Wenn es zu Einsätzen kommt, wünsche ich mir, dass diese schnell abgearbeitet werden können – und vor allem, dass alle Feuerwehrkameradinnen und Kameraden immer wieder heil und gesund nach Hause kommen. Gerade aber auch, dass sich jeder für sich überlegt, was er tun kann, damit es nicht zu Flächen- oder Waldbränden kommt. Dieses gilt natürlich auch für jeden anderen möglichen Einsatz.

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