Erstes „W’escher Rudelsingen“ schlägt im Westerescher Hof ein

Mitschmettern auf Platt

Der Spaß steht im Vordergrund beim Rudelsingen – und den hatten die etwa 200 Besucher sichtlich. Foto: HEyne

Westeresch – „Super Trouper“ erklingt vielkehlig aus der eine Spalt weit geöffneten Tür des Westerescher Hofs, dann „Auf der Reeperbahn“ und „99 Luftballons“. Heiko Wahlers ist aus dem Häuschen: „So laut, stimmstark und begeistert wurde hier wohl noch nie gesungen.“ Er und seine Mitstreiter vom W’escher Kult haben das „Rudelsingen“ nach Westeresch geholt.

„Imagine“ schmettern an die 200 Besucher zur Begleitung von Klavier und Akustikgitarre. Von der Bühne kommt leichter Tadel: „Youhouuuu kommt erst später – keine Angst, ihr kommt beim nächsten Refrain auf eure Kosten“, verspricht Vorsänger, Gitarrist und Zeremonienmeister Simon Bröker. Er bildet mit Hauke Quaer an Keyboard und Sax, ebenfalls ausgebildeter Musiker „auf Lehramt“, eins von zehn Teams, die im Namen des lizenzierten Formats die Republik bereist und mit etwa 10 000 Besuchern pro Monat an festen Standorten die Tradition des gemeinsamen Singens in neuem Gewand wieder salonfähig machen.

Die Spielregeln sind einfach: kein Quatschen während der Stücke. „Damit tut man sich hier noch schwer“, wird Bröker in der Pause feststellen. Sitzen darf nur, wer nicht anders kann. Das „Rudelerlebnis“, das etwaige Hemmungen vor dem gemeinsamen Singen abbaut, basiert auch auf dem Element der Nähe. Das funktioniert: Begeistert schmettern die Besucher „Eine Insel mit zwei Bergen“, haken sich zum „griechischen Wein“ mit anschließendem Sirtaki unter, gehen ab. Darum geht es Bröker: „Wir verstehen uns als Unterhalter – Spaß ist das Wichtigste.“ Die beiden auf der Bühne sind Profis: musikalisch sowieso, aber auch sonst. Laut genug, damit die Besucher sich trauen, leise genug, um sie zum Hauptakteur zu machen.

Beim Repertoire geht es um Genre-Vielfalt, eine große Bandbreite, die Mischung aus lustig und ernst. Dabei wissen die Tür- und Seelenöffner aus Erfahrung, was geht: „Für heute haben wir Titel ausgesucht, die immer funktionieren“, so Bröker. Eine Besonderheit gibt es aber doch, und zwar gleich zu Anfang: Udo Jürgens‘ „New York“, ein sicheres Brett, wird auf Wunsch von Wahlers in plattdeutscher Übersetzung gesungen, genauso später Mark Forste.

Doch finden die Versionen nicht bei allen ungeteilten Zuspruch; als „Always look on the bright side“ zu „Kiek doch mal“ ertönt, findet Besucher Chris Krause das doch etwas übertrieben: „Die hätte man lieber im Original belassen sollen.“ Grundsätzlich ist er jedoch froh, dass das Konzept aufgegangen ist: „Toll, wenn hier Kulturschaffende etwas auf die Beine stellen und das gut angenommen wird.“ Marlis Venturelli ist ebenfalls begeistert: „Ungewohnt, aber witzig – nur Platt kann ich leider nicht. Und die machen das super“, findet sie.

Nach gut zweieinhalb Stunden ist Schluss – ein andächtig kollektives „Dat du mien Leevsten bist“ gibt’s noch mit auf den Nachhauseweg.  hey

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