Messröhrchen ist weg

Unbekannte sabotieren Schadstofferfassung an der Visselhöveder Goethestraße

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In Stuttgart steht eine Messeinheit, die nicht zu entfernen ist. Ist solch ein Monstrum auch an der Vissel nötig?

Visselhövede - Von Jens Wieters. Nur knapp fünf Tage hat das kleine Messröhrchen seine Arbeit verrichten dürfen und die Belastung mit Stickoxiden an der von Lkw und Autos viel befahrenen Visselhöveder Goethestraße dokumentiert. Jetzt ist es weg. Von bisher Unbekannten von einem Verkehrsschild geschnitten, an dem es der Schwitscher Willi Reichert am vergangenen Donnerstag angebracht hatte.

Der ist natürlich traurig über die Ignoranz dieser Zeitgenossen, die offenbar einfach einen Seitenschneider genommen und die Kabelbinder durchgeknipst haben, mit denen der sogenannte Passivsammler am Metallrohr befestigt war. „Die Luft wird ja dadurch nicht besser, dass man das Messgerät entfernt“, kann Reichert diese Reaktion auf sein Vorhaben nun ganz und gar nicht verstehen.

Er hatte an einer Aktion des Norddeutschen Rundfunks (NDR) teilgenommen, die am 1. November unter dem Motto „Was atmest du?“ gestartet wurde, um herauszufinden, wie sehr die Luft in Norddeutschland mit Stickstoffdioxid belastet ist. Reichert hatte sich mit Erfolg beworben.

Bis zum 30. November sollte das rund zehn Zentimeter große und fingerdicke Röhrchen fleißig Stickoxide sammeln. Der NDR hätte es mit den weiteren 999 Röhrchen aus anderen Orten – unter anderem aus Rotenburg – an ein Fachlabor in die Schweiz geschickt. Dort werden alle Messbehälter im Dezember ausgewertet. „Im Januar und Februar 2019 wird an der Dokumentation sowie an einer interaktiven Schadstoffbelastungskarte gearbeitet, bevor Ende Februar die Ergebnisse auch ausgestrahlt werden“, teilt der NDR mit. Auf dieser Karte wird Visselhövede nun nicht mehr auftauchen.

„Schade eigentlich“, sagt Reichert. Denn es hätte auch gut sein können, dass die Werte weit unter der für Menschen gefährlichen Grenze gelegen hätten. „So wissen wir nichts, und so günstig kommen wir sicherlich nicht noch einmal an belastbare Ergebnisse“, vermutet Reichert.

Der weiß zwar nicht, wer seine Aktion in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sabotiert hat, hat aber in Erfahrung gebracht, dass sich in den sozialen Medien einige Leute über die Messung „aufgeregt haben“, weil sie vielleicht ein schlechtes Licht auf die Stadt werfen könnte.

„Aber es hilft doch nicht, den Kopf in den Sand zu stecken in der Hoffnung, dass man dann nicht gesehen wird“, bemüht Reichert eine Redewendung, die so viel bedeutet, wie die Augen vor unangenehmen Realitäten zu verschließen. Er hätte schon gern geklärt gehabt, ob die Luft an der Hauptstraße seiner Heimatstadt übermäßig mit Schadstoffen belastet ist oder nicht.

Das hätte auch gerne Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel gewusst. „Es wäre zwar besser gewesen, wenn uns Reichert bei der Aktion mit ins Boot geholt hätte und wir vielleicht gemeinsam einen Mess-Standort gesucht hätten, aber grundsätzlich ist solch eine Datenerhebung eine gute Sache. Nicht gut ist allerdings, dass sie jetzt so abrupt endet.“ Die Stadtverwaltung habe nämlich ebenfalls ein großes Interesse daran, etwas über die Schadstoffbelastung an der Bundesstraße zu erfahren. Goebel: „Das sind wir schließlich auch unseren Einwohnern schuldig.“

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