Geschäftsführer übergibt Betrieb an Söhne

Wolfgang Meyer von der Mühle Meyer geht nach 42 Jahren in Rente

Wolfgang Meyer an seinem ehemaligen Arbeitsplatz.

Embsen - Von Lisa Duncan. Schon als Kind spielte er mit seinem Bruder in der Achimer Windmühle. Und da die Eltern von Wolfgang Meyer den Galerie-Holländer gepachtet hatten, blieb es nicht beim Spiel. Vielmehr packte der Junge bereits im Alter von zwölf Jahren in der Mühle mit an.

Nun geht der Geschäftsführer des Familienbetriebs „Mühle Meyer GmbH“ nach 42 Jahren in Rente und übergibt die Verantwortung in die Hände seiner Söhne Jan und Morten. Dabei will der 63-Jährige doch nicht ganz vom Berufsleben lassen: Neben Ehefrau Hanna wird er dem Team als Teilzeitkraft erhalten bleiben. Auch als Geschäftsführer des letzten familiär geführten Futtermittelhandels in Achim bleibt er eingetragen.

Den Abschied Ende Oktober feierten Familie und Freunde mit einem Essen im „Hirtenhaus“. Zuvor sollte es eine fachkundige Führung durch die Achimer Windmühle geben – die Wolfgang Meyer kurzerhand selbst übernahm. „Und am nächsten Morgen um zehn stand er schon wieder im Laden“, erzählt Morten Meyer.

Ein kurzer Abriss der Firmengeschichte: Von 1936 bis 1964 hatte Opa Johann Meyer die Achimer Windmühle gepachtet, um Futter für Schweine, Kühe und Hühner herzustellen. Zur Umsiedlung des Geschäftes nach Embsen kam es, weil der Senior am angestammten Platz expandieren wollte. 

Fotos des Betriebsgeländes an der Embser Dorfstraße finden sich an den Wänden in den Geschäftsräumen der Mühle Meyer.

Nur leider erklärten sich die Verpächter der Familie Weidenhöfer damit nicht einverstanden. „Großvater Meyer hätte das Mühlengrundstück damals für 25 Pfennig pro Quadratmeter kaufen können. Aber seine Frau fand das zu teuer“, erzählt Hanna Meyer, und wirkt eher amüsiert, als dass sie entgangenem Reichtum nachtrauern würde.

Auf dem etwa 2000 Quadratmeter großen Firmengelände an der Embser Dorfstraße 13 trocknete Meyer anfangs auch Getreide für die Landwirte. Besonders lebhaft erinnert sich das Ehepaar aus ihrem Berufsleben an die lauen Sommerabende, an denen Hanna Meyer ihrem Mann Essen brachte. 

Damit sich das Korn nicht aufgrund der Hitze im Speicher entzündete, musste der Chef Wache halten. Dabei war er selten bis nie alleine: Aufträge von Landwirten kamen laufend herein. Die oft spendierfreudigen Kunden blieben gern bis spät in die Nacht zum Klönen. „Das hat immer viel Spaß gemacht, ich habe viele Leute kennengelernt“, erinnert sich Wolfgang Meyer.

Eine historische Aufnahme der Achimer Windmühle

„In den 80er-Jahren hat sich das dann gewandelt“, erzählt Hanna Meyer. „Dadurch, dass die Mähdrescher größer wurden, lohnte es sich nicht mehr, das Getreide selbst zu trocknen“, ergänzt Wolfgang Meyer. Daraufhin strukturierten auch die Meyers ihren Betrieb um. 1999 kam etwa zum rund 130 Quadratmeter großen Verkaufsraum eine Lagerhalle dazu.

Heute führt Mühle Meyer Getreide, Futtermittel (unter anderem „Embser Legemehl“, Geflügelfutter aus eigener Herstellung), Einzelsaaten, Heimtier- und Gartenbedarf sowie Düngemittel. Darüber hinaus setzt der Traditionsbetrieb auf Beratung: Im Frühjahr etwa können Kunden an einem Aktionstag ein Stück Erde aus ihrem Garten mitbringen und es auf Nährstoffe hin analysieren lassen.

Meyer, der eigentlich eine Ausbildung zum Müller machen wollte – ein Beruf, der bereits allmählich ausstarb – begann eine Lehre als Getreidekaufmann, schwenkte dann aber um und lernte Betriebsschlosser beim Achimer Schuhmaschinenhersteller Desma. Im Jahr 1976 nahm er seine Arbeit im elterlichen Betrieb auf. Seine Frau Hanna, von Haus aus Erzieherin, stieg später mit ein und ist seither im Laden für die Buchhaltung zuständig.

Die Söhne halfen schon früh im Familienbetrieb

In den sprichwörtlichen Ruhestand will sich Meyer noch nicht begeben: „Wenn ich Lust habe, komme ich her. Zu tun gibt’s immer was.“ Jedoch möchte er als Rentner etwas mehr Zeit für seine Hobbys aufwenden, die Brieftaubenzucht und den großen Garten, sowie seine Zwergpapageien. Und er möchte etwas mehr Urlaub machen, „nach Portugal vielleicht“.

Für Jan, gelernter Tischler, und Morten, der eine Berufsausbildung zum Kaufmann absolvierte, stand außer Frage, dass sie das Geschäft einmal übernehmen würden. Früh halfen sie schon Getreide schippen, „und wir hatten natürlich alle ein Faible für die Tiere“, erzählt Morten. Im Betrieb sind auch Hund Butch und Katze Miezi voll integriert: als Sicherheitsinspektor und „Beauftragte für Schädlingsbekämpfung“.

Heutzutage hätten gerade kleinere Futtermittelbetriebe wie Meyer zu kämpfen, da immer mehr Auflagen (unter anderem EU-Normen) zu erfüllen sind. In ihrer Branche fühle sie sich als Dinosaurier, so Hanna Meyer: „Früher gab es eine Mühle in jedem Achimer Ortsteil.“ Die Landwirte kaufen Futtermittel seit Langem bei den Genossenschaften, heute stellen Geflügelzüchter den Großteil der Stammkundschaft.

Bei der Verabschiedung: Wolfgang Meyer, umrahmt von seinem Bruder Volker (ganz links), den Söhnen Jan und Morten sowie Ehefrau Hanna (v.l.) am Eingang zur Achimer Windmühle.

Durch ihr Hobby Brieftaubenzucht gelten Wolfgang und Morten Meyer – nicht nur unter Vereinskollegen aus Ottersberg – als Experten. Beide Generationen betätigen sich zudem als Hühnerhalter. Der Hühnerstall für die Eierproduktion in Eigenbedarf entwickle sich gerade bei Nichtlandwirten zum Trend, erzählt Hanna Meyer. „Die Leute wollen wissen, was sie essen.“ Passende Lektüre, wie den Ratgeber „Hühner halten – Das Rundum-Sorglos-Paket“, gibt es im Laden zu erstehen.

Und wie lange wollen die Söhne den Betrieb weiterführen? „Bis 2054. Steht zumindest auf meinem Rentenbescheid“, schmunzelt Morten Meyer.

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