Gladbach-Trainer vor Spiel im Weserstadion

Hecking im Interview: „Ich erlebe das alte Werder Bremen“

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Gladbach-Trainer Dieter Hecking kann sich durchaus vorstellen, dass Werder sich in der Liga-Spitze etabliert.

Mönchengladbach - Von Hans-Günter Klemm. Nur Platz zehn in der Rückrunde der vergangenen Saison, jetzt Kurs Champions League: Bei Borussia Mönchengladbach ist als Tabellenzweiter alles im Lot, möchte man meinen.

Doch ähnlich wie aktuell Werder Bremen hatten auch die „Fohlen“ schon ihren kleinen Leistungsknick, verloren 1:3 beim SC Freiburg und 0:5 im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen. Es folgte das 3:0 im Niederrhein-Derby gegen Fortuna Düsseldorf. Kurz-Krise beendet? Im Spiel bei Werder Bremen gibt es am Samstag (15.30 Uhr) die Antwort. 

Vor der Partie sprach Gladbach-Trainer Dieter Hecking (54) mit der DeichStube über das Auf und Ab im Fußball, über seinen Shootingstar Jonas Hofmann sowie über den Bremer Kollegen Florian Kohfeldt.

Zwei Pleiten in Folge, dann der klare Sieg gegen Düsseldorf: Sind Sie erleichtert, Dieter Hecking?

Dieter Hecking: Ich würde es differenziert bewerten. Jedes Spiel muss einzeln betrachtet werden. In Freiburg hätten wir nicht zu verlieren brauchen. Was gegen Leverkusen bei unglücklichem Spielverlauf passieren kann, hat unlängst auch Werder erfahren. Wir haben nicht entschlossen genug verteidigt und sind in die guten Bayer-Konter gelaufen. Übrigens: Es ist ein Stück weit das Merkmal der Liga, dass keiner so stabil ist.

Bis auf die Dortmunder vielleicht...

Hecking: ...auch die Borussia stufe ich noch nicht als so robust ein. Natürlich spielen sie guten Fußball unter Lucien Favre, doch sie haben auch Match-Glück gehabt, haben viele Partien erst in letzter Minute gewonnen. Wobei ich gar nicht abstreiten möchte, dass auch späte Treffer durchaus ein Qualitätsmerkmal sind.

Wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf der Münchner Bayern?

Hecking: Sie sind hervorragend gestartet. Es sah so aus, als ob sie alles in Grund und Boden schießen. Anfangs stellte jeder doch nur die Frage: Wann werden sie in dieser Saison Meister? Vielleicht haben sie sich zu sehr in Sicherheit gefühlt. Plötzlich sind sie angeschlagen. Dennoch bleibe ich dabei: Die Bayern haben den besten Kader.

In Dortmund steigt am Samstag der Schlager. Tabellenführer Borussia oder Rekordmeister Bayern – wer ist Ihr Favorit?

Hecking: Unabhängig von den Resultaten in der Champions League favorisiere ich leicht die Dortmunder. Die erste Niederlage in einem Pflichtspiel wird sie nicht zurückwerfen. Bei Atletico Madrid kann jede Mannschaft verlieren.

Hier geht es zum Klemm-Brett: Notizen vor Gladbach

Zurück zur Borussia: Sie haben im Sommer kaum Veränderungen in Ihrem Kader vorgenommen. Ist dieser Umstand das Erfolgsgeheimnis?

Hecking: In der letzten Spielzeit hatten wir nach sehr guten 28 Punkten zur Halbzeit eine Rückrunde, in der wichtige Spieler wegen Verletzungen ausgefallen sind. So haben wir ein wenig die Konstanz verloren (Platz zehn in der Rückrundentabelle, Anm. d. Red.). Wir waren überzeugt, dass wir in erster Linie die Spieler fit bekommen müssen, um Qualität auf den Platz zu bringen. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, nicht so viele Veränderungen vorzunehmen.

Die Verpflichtung des Franzosen Alassane Plea ist eine dieser wenigen Veränderungen – ein echter Torjäger. Der wichtigste Transfer?

Hecking: Ein wichtiger Baustein jedenfalls. Plea ist ein Stürmer, der den direkten Weg zum Tor wählt. Es gibt in Europa wenige Offensivspieler mit dieser Fähigkeit und dieser hohen Qualität. Plea hatte im Sommer auch andere Möglichkeiten. Wir waren rechtzeitig an ihm dran. Zum Glück hat er sich für uns entschieden.

Als positiv erwies sich auch die Umstellung von dem 4-4-2-Standardsystem seit Favre zu einem 4-3-3. Was waren die Beweggründe für diesen Wandel?

Hecking: Unser System mit zwei hängenden Spitzen hatte sich ein bisschen abgenutzt. Zudem steht in unserem Aufgebot eine Vielzahl von guten Spielern, die im Zentrum agieren können. Meine Überlegung war: Wie kann man diesen Vorteil nutzen? Wie kommen diese Stärken zum Tragen?

Zuletzt kehrten die verletzten Lars Stindl und Raffael zurück, agierten wieder als eine Art „falsche Neun“. Was wird aus Plea?

Hecking: Er kam zuletzt mehr über die linke Seite, er kann dies vorzüglich, hat auch in Nizza außen gespielt neben einem Stoßstürmer, der dort Balotelli hieß. Plea mag diese Rolle.

Nach dem Abgang des Ex-Bremers Jannik Vestergaard wird Nationalspieler Matthias Ginter immer mehr zum Abwehrchef.

Hecking: Es hat weniger damit zu tun, dass Jannik nach England gegangen ist. Matthias Ginter hat persönlich eine famose Entwicklung genommen, sowohl bei uns als auch in der Nationalelf, wo er seinen Stellenwert enorm erhöht hat.

Jonas Hofmann ist mit schon fünf Toren und drei Assists einer der auffälligsten Akteure in Ihrem Team. Wird er der nächste Nationalspieler aus Gladbach?

Hecking: Es stimmt, dass Jonas eine sehr gute Saison spielt und gute Perspektiven besitzt. Ich weiß nicht, was Jogi Löw plant, schließlich geht es in der Nations League gegen den Abstieg. Wenn es wie früher üblich Testspiele nach einem Turnier und vor der Qualifikation für das nächste Turnier gegeben hätte, so hätte ich mir vorstellen können, dass Jonas Hofmann schon bei der Nationalelf dabei gewesen wäre.

Jonas Hofmann ist ein Gesicht des Gladbacher Aufschwungs in der Hinrunde.

Überrascht Sie der Aufschwung bei Werder Bremen?

Hecking: Nein, in keiner Weise. Es sind ja nicht nur die guten Auftritte zu Saisonbeginn, sondern ich sehe einen Prozess, der schon in der Rückserie des letzten Spieljahres begonnen hat. Florian Kohfeldt hat Stabilität bei Werder reingebracht.

Kennen Sie den Kollegen persönlich?

Hecking: Ich kenne ihn nicht so gut wie andere langjährige Weggefährten, weil er noch jung im Geschäft ist. Doch ich beobachte, dass er sich weiterentwickelt hat, den Weg vom Trainer im Jugendbereich über die Rolle als Assistent hin zum Cheftrainer kontinuierlich gegangen ist. Er macht sich viele Gedanken über den Fußball, was sehr erfreulich ist.

Was zeichnet Werder 2018 aus?

Hecking: Ich erlebe in diesen Tagen wieder das alte Werder Bremen. Die sportliche Leitung um Frank Baumann und Marco Bode, auch der Trainer Kohfeldt, die führenden Köpfe haben es geschafft, Werder wieder zu reaktivieren. Auch die Art, wie die Mannschaft den Fußball interpretiert, erinnert mich an früher.

Ist der Bremer Aufwärtstrend nun nach den letzten beiden Dämpfern gestoppt, gerade rechtzeitig vor dem Gastspiel der Gladbacher?

Hecking: Das sehe ich nicht so. Selbst wer im Vorderfeld platziert ist, ist nicht gefeit davor, zwei Spiele in Serie zu verlieren.

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Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern

Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23.
Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23. © gumzmedia
Viktor Skripnik, Florian Kohfeldt und Torsten Frings
Im Oktober 2014 wurde Skripnik nach der Entlassung Robin Dutts Cheftrainer bei den Profis. Seine Co-Trainer bei der U23, Kohfeldt und Torsten Frings, folgten ihm in die Bundesliga. © Gumz
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank.
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank. © gumzmedia
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück. 
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück.  © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Seit Oktober 2016 ist er dort als Trainer tätig und schaffte in der Saison 2016/17 den Klassenerhalt. © Gumz
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer.
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Kohfeldt genießt bei Werder eine sehr hohe Wertschätzung. „Er kann Spieler weiterentwickeln. Er hat eine klare Ansprache. Er ist ein intelligenter, junger, innovativer Trainer“, lobte Sportchef Frank Baumann nach Kohfeldts Beförderung. © Gumz
Florian Kohfeldt
Zwar setzte Kohfeldt in seinem ersten Erstliga-Spiel als Cheftrainer mit Werder neue Impulse, das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ging durch ein spätes Gegentor trotzdem mit 1:2 verloren. © Gumz
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause.
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hatte Erfolg, wurde fest als Cheftrainer installiert und führte Werder aus der Abstiegszone in der Bundesliga. © Gumz
Florian Kohfeldt
Anfang April 2018 unterschrieb Kohfeldt einen Vertrag bei Werder bis 2021. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt blieb in der Saison 2017/2018 in allen zwölf Heimspielen als Cheftrainer ungeschlagen. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hat Werder eine neue Handschrift und Mentalität verpasst. Mit ihm soll es nun wieder dauerhaft aufwärts gehen. © Gumz

Werder hat bis zur Winterpause noch dicke Brocken wie Leipzig, Hoffenheim, Dortmund, Bayern und aktuell Gladbach vor der Brust. Trauen Sie Bremen zu, sich an der Liga-Spitze zu etablieren?

Hecking: Durchaus, Werder hat das Zeug dazu. Im Übrigen ist unser Spielplan fast identisch in den nächsten Wochen. Es ist für beide Teams eine tolle Herausforderung, die es anzunehmen gilt.

Zu Ihrer Person: Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Warum ist bisher noch nicht über Ihre Zukunft gesprochen worden?

Hecking: Es war mein Wunsch, die Sache aufzuschieben. Manager Max Eberl hatte einst erklärt, er gehe nicht in eine Saison mit einem Coach, dessen Kontrakt ausläuft. Nun lief es in der letzten Rückrunde nicht so optimal, die Kritik an meiner Person nahm zu. Ich wollte nicht, dass sich Max unter Druck gesetzt fühlt, unbedingt Vertragsgespräche zu starten, um einen Vertrauensbeweis abzugeben. Ich habe ihm gesagt, dass ich das Vertrauen in der täglichen Arbeit spüre. Wir sollten abwarten, wie es läuft. So hat der Club alle Freiheiten, so habe ich alle Freiheiten.

Es läuft gut. Wann beginnen nun die Verhandlungen?

Hecking: Wir stehen auf Platz zwei, wir spielen ganz ordentlichen Fußball. Zudem wissen Max Eberl und ich, was wir aneinander haben. Ich denke, wir werden noch vor Weihnachten zu ersten Gesprächen zusammenkommen.

Quelle: DeichStube

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