Klemm-Brett

Notizen vor Gladbach: Minimales Zwischentief - „Ideallösung“ Plea

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Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem elften Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach mit einem minimalen Zwischentief, einem Rekordeinkauf und Zahlenspielen.

Torjäger

Sein Lieblingsspieler heißt Thierry Henry. Dieser trug stets die Nummer 14. Also hat er sich auch das Trikot mit der Nummer 14 gegriffen, obwohl die „9“ für ihn prädestiniert wäre. Denn Alassane Plea, der Neue bei der Borussia, ist eine echte Neun. 23 Millionen Euro hat sich Manager Eberl den Kauf Pleas kosten lassen. Der Rekordeinkauf von OGC Nizza, der auch beim FC Sevilla und Tottenham Hotspur auf dem Zettel stand. „Er ist die Ideallösung“, sagt Einkäufer Eberl, nachdem er den Zuschlag erhalten hat. Der Wunschkandidat hat dies bisher bestätigt, zuletzt hat er 16 Treffer bei Nizza erzielt, insgesamt war er in 135 Spielen 44-mal erfolgreich. Ein Mann mit eingebauter Torgarantie also, ein Stürmer, wie ihn sich Dieter Hecking erwünscht hat.

Der Trainer wollte einen mitspielenden Stürmer, der mit Tempo in die Tiefe geht und auch Eins-zu-eins-Situation nicht scheut: „Die Mannschaft braucht einen, der zweistellig treffen kann.“ Die Versuche mit Luuk de Jong , zwölf Millionen teuer, und Josip Drmic, zehn Millionen teuer, als Stoßstürmer waren gescheitert. Plea indes funktioniert auf Anhieb und sagt über sein Debüt in Deutschland: „Ich will immer mitspielen, kann auch über links kommen.“ Mit ihm verabschiedet sich Gladbach endgültig von der seit Favres Zeiten favorisierten Hybridlösung in der Offensive.

„Schwimmende Stürmer“, so bezeichnet es Eberl. „Stürmende Spielmacher“, so lautet ein anderer Ausdruck für das Konzept mit Offensivkräften wie Reus und Kruse, Raffael und Stindl. Ein besonderer Code, den indes einige Bundesligisten geknackt hatten. Trainer Hecking dachte auch deshalb an eine Systemumstellung auf 4-3-3: mit einem Keilstürmer und mehr Power auf den Flügeln. Variabel stellte Hecking zuletzt auf. Lars Stindl war nach fünf Monaten wieder einsatzfähig, auch Raffael meldete sich nach zwei Monaten Pause zurück. Und auch Plea, wegen einer Muskelverletzung vorübergehend im Lazarett, spielte gegen Düsseldorf überraschend wieder.

Jubiläum

Am 19. Oktober war es so weit. Jubiläum für Max Eberl, zehnjähriges Jubiläum als Sportdirektor in Mönchengladbach. Ein Manager, der aus dem Nichts kam. Krise am Bökelberg. Fehlstart in die Saison, Trainer Jos Luhukay fliegt, Christian Ziege, der Sportdirektor, wird Interimscoach, dann kommt Hans Meyer. Ziege kehrt nicht in sein altes Amt zurück, wird Co von Meyer. Ein rasantes Personalkarussell, an dessen Ende ein Unbekannter auf den Chefsessel rückt: Max Eberl, der Direktor Jugend und Amateure, wird befördert.

Max Eberl ist seit 2008 Sportdirektor bei der Borussia.

Ein Glücksgriff für die Borussen. Der 45-Jährige formt aus dem Abstiegskandidaten einen konkurrenzfähigen und ambitionierten Bundesligisten und entwickelt sich zu einem der profiliertesten Manager in der Liga. Stand heute: Nur drei Macher in der 1. Liga sind länger im Amt als Eberl. Dortmunds Michael Zorc seit 1998, München Karl-Heinz Rummenigge seit 2002 und Rudi Völler seit 2005.

Zehn Jahre lieferte Eberl erstklassige Arbeit ab, widerstand dabei allen Abwerbeversuchen der Konkurrenz aus Schalke und Bayern. In 20 Transferphasen wickelte er rund 160 Transfers ab, nahm dabei 186 Millionen Euro ein und gab 213 Millionen Euro aus. Sein Vertrag läuft bis 2022. Sein Ziel: ein Titelgewinn mit der Borussia, wobei er natürlich bei der Münchner Dominanz in der Meisterschaft eher an den Pokal denkt. Berlin, Berlin – Eberl möchte nach Berlin. „In meinen 20 Jahren Borussia war ich schon viermal im Halbfinale“, sagt er und hofft bald auf den großen Wurf.

Oktoberfest

Als in München die Wiesn lief, triumphierte Gladbach bei den Bayern: 3:0-Erfolg in München. Das musste gefeiert werden, am besten beim Oktoberfest. Doch aus dem Stadion ging es nicht sofort ins Festzelt. Zunächst einmal traten die Borussen um Lars Stindl, Christoph Kramer, Jonas Hofmann und Patrick Herrmann die Heimreise an und waren in der Nacht zu Sonntag wieder am Niederrhein. In der Früh folgte dann das Training, bevor es wieder in den Süden ging. Der Besuch der Wiesn mit etwas Verspätung. Eine vorbildliche Einstellung. Wie sagt der Volksmund: erst die Arbeit, dann der Schnaps.

Spruch

„Für den Erfolg kann ich auch eklig werden.“

Sportdirektor Max Eberl über seine Arbeitsweise

Nationalspieler

Über ihn sagt sein Trainer: „Er hat eine positive Ausstrahlung und zieht die anderen mit.“ So spricht Dieter Hecking über seinen Nationalspieler. Matthias Ginter ist in eine Führungsrolle bei Gladbach gewachsen und hat gleichzeitig seinen Stellenwert im Nationalteam erhöht.

Bei der WM noch außen vor, ist der 24-Jährige nun auf dem Weg, sich einen Stammplatz auf der rechten Abwehrseite zu ergattern, seitdem Joachim Löw den Münchner Joshua Kimmich ins Mittelfeld abkommandiert hat. Und im Club spielt Ginter, vor einem Jahr aus Dortmund gekommen, eine herausragende Rolle in der Innenverteidigung, hat nach dem Abgang von Jannik Vestergaard, für 23 Millionen zum FC Southampton, mehr Verantwortung übernommen.

Gute Aussichten für Ginter und auch für einen Mannschaftskameraden im Hinblick auf die Nationalmannschaft. Der Bundestrainer lobte unlängst Jonas Hofmann, der nach seinen Stationen Hoffenheim, Mainz und Dortmund nun die Kurve zu kriegen scheint. Der Junioren-Nationalspieler, die Entdeckung der Saison gemeinsam mit seinem Nebenmann Florian Neuhaus (erfolgreich in der U21), reagierte auf Löws Kompliment so: „Ich bin jetzt noch geiler darauf, weiter so zu spielen.“ Und tat in eindrucksvoller Manier: Matchwinner mit drei Toren beispielsweise beim 4:0 gegen Mainz im Oktober.

Gladbacher Form

Minimales Zwischentief, dann Fortsetzung des Aufwärtstrends: 3:0 im Niederrhein-Derby gegen Aufsteiger Düsseldorf. Gladbach ist wieder im Vorderfeld, hat Bayern überholt und belegt Platz zwei. Zuvor hatte die Truppe wettbewerbsübergreifend zwei Niederlagen kassiert: 1:3 in Freiburg in der Liga, 0:5 im Pokal gegen Leverkusen, die erste Schlappe im eigenen Stadion nach zuvor neun Siegen in Pflichtspielen.

Kandidaten

Der Kandidat war auch bei Werder im Gespräch: Patrick Herrmann, Saarländer, der seit 2008 in Gladbach engagiert ist. Lange Zeit wolle der zweimalige Nationalspieler die Borussia verlassen, weil es in der Vorsaison überhaupt nicht gelaufen war. „Nicht optimal“, gab er zu. Kein Treffer, nur zwei Vorlagen. Herrmann dachte an einen Tapetenwechsel und dachte dabei auch an Bremen.

Doch er blieb am Niederrhein und setzte sich durch. Bessere Perspektiven nun für ihn im Konkurrenzkampf auf der rechten Flanke. Gleich drei Mitbewerber bieten ihm die Stirn und bilden somit ein Luxusproblem für Dieter Hecking. Hermanns Konkurrenten konkret: Auch Thorgan Hazard, Raffael und Ibrahima Traoré haben ihre Qualitäten im Flügelspiel auf der rechten Seite.

Trainer

Das Rezept, das er nennt, klingt so einfach. „Mehr Spaß am Fußball“, so Dieter Hecking, der noch dies anfügt, „mehr Spiele gewinnen als verlieren.“ Das erhofft sich der 54-Jährige, der seit Weihnachten 2016 in Gladbach amtiert, von der neuen Saison. Der frühere Polizeimeister und Vater von fünf Kindern hat sich noch einmal neu erfunden. Als knorrig und hausbacken gilt der erfahrene Westfale seit seinen Zeiten in Aachen und Hannover, Nürnberg und Wolfsburg. Bald hat er in 400 Bundesligaspielen auf der Bank gesessen, er weiß, was läuft in der Liga.

Trainer Dieter Hecking will die Borussia wieder in Richtung Europa führen.

In diesem Sommer hat er sich als innovativ und reformwillig präsentiert. Mit einem neuen Stil will er die Borussia wieder in Richtung Europa führen, diesmal soll in beiden Halbserien erfolgreich gespielt werden. In den letzten beiden Jahren sah es bis zum Winter mit je 28 Punkten auf der Habenseite mehr als erfreulich aus, bevor ein Formrückgang alle Ambitionen zerstörte. Heckings Kontrakt läuft 2019 aus. Verhandlungen sind vorerst vertagt worden. Es soll abgewartet werden, ob der eingeleitete Reformkurs Bestand hat.

Bilanz

Heiß umkämpft sind die Partien zwischen den beiden langjährigen Rivalen in der Bundesliga. Werder hat mit 38 Siegen leicht die Nase vorn, Gladbach verbuchte 37 Siege bei 23 Unentschieden. In den 49 Heimspielen behielt Bremen 27-mal die Oberhand bei acht Niederlagen und 14 Remis. 104 Pflichtspiele, inklusive Pokal gab es bisher: 41 Gladbach-Erfolge, 40-Werder-Siege, 23 Remis.

Nouris Niederlagen

Die letzten beiden Heimspiele gegen Mönchengladbach gingen verloren. Zwei Niederlagen in der Ära Alexander Nouri. Im Februar 2017 endete das Spiel 0:1, Torschütze Thorgan Hazard. Verhängnisvoll für den nun in Ingolstadt beschäftigten Ex-Trainer war der Misserfolg im Spätherbst: 0:2 am 15. Oktober des letzten Jahres, wobei Lars Stindl und der ehemalige Bremer Jannik Vestergaard erfolgreich waren. Es war eines der letzten Spiele von Nouri, der Ende des Monats durch Florian Kohfeldt ersetzt wurde.

Quelle: DeichStube

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