Nach 1:2-Niederlage am Sonntag

Taktik-Analyse: Kohfeldt findet keine Antwort auf den Mainzer Matchplan

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Florian Kohfeldt, Max Kruse und Co. erlebten gegen Mainz 05 einen verkorksten Abend.

Mainz - Zweite Niederlage in Folge, zum zweiten Mal ausgecoacht: Auch bei der 1:2-Niederlage in Mainz verliert Florian Kohfeldt das Trainerduell. Warum der Matchplan des Mainzer Coaches Sandro Schwarz so gut funktionierte, erklärt unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Auf den starken Saisonstart antwortete ganz Bremen mit einer ungeahnten Euphorie. „Endlich wieder Europa“, so lautet der Traum. Nun folgt die Ernüchterung. Gegen den FSV Mainz 05 verloren die Bremer nicht nur ihre zweite Bundesliga-Partie in Folge; sie waren dabei dem Gegner auch in fast allen Belangen unterlegen. Dazu gehörte auch der taktische Bereich. Florian Kohfeldt fand keine passende Antwort auf den Matchplan seines Widersachers Sandro Schwarz.

Bremer System zerschellt an Mainzer Raute

Gegen Bayer Leverkusen hatte Kohfeldt vergangene Woche noch mit einer Fünferkette experimentiert. Es hagelte eine 2:6-Niederlage. Gegen Mainz kehrte Kohfeldt folgerichtig zu seinem favorisierten 4-3-3-System zurück. Auf Linksaußen begann Florian Kainz, auf Rechtsaußen Yuya Osako. Im Mittelfeld übernahm Davy Klaassen erneut eine Mischrolle: Bei Ballbesitz agierte er auf einer Höhe mit Maximilian Eggestein. Bei gegnerischem Ballbesitz rückte er neben Stürmer Max Kruse. Das 4-3-3 mutierte gegen den Ball zum 4-4-2.

Schwarz hatte sich einiges einfallen lassen, um das Bremer System zu stoppen. Er schickte seine Mannschaft in einem 4-3-1-2-System auf das Feld, einem sogenannten Rautensystem. Mit dieser Anordnung spiegelte Mainz das Bremer Mittelfeld. Klaassen, Eggestein und auch Philipp Bargfrede bekamen jeweils einen Bewacher zugeteilt. Gerade Bargfrede wurde eng gedeckt durch seinen Gegenspieler Jean-Paul Boëtius.

Die Grafik zeigt die Mainzer Aufteilung im Mittelfeld. Hier nahm Mainz die Bremer durch enge Manndeckung aus dem Spiel.

Das Mainzer Vier-Mann-Mittelfeld hatte den Vorteil, dass der FSV im Mittelfeld Mann gegen Mann spielen konnte, aber dennoch in Pierre Kunde ein Sechser frei blieb. Der Kameruner konnte Max Kruse in Deckung nehmen, sobald dieser sich fallen ließ. Mit dieser Aufstellung war Mainz defensiv bestens eingestellt auf die Bremer Angriffe durch das Mittelfeld.

Auch offensiv überzeugten die Mainzer mit einem klaren, strukturierten Plan. Jean-Philippe Gbamin und Danny Latza starteten von ihrer Achter-Position immer wieder auf die Flügel. Gerade Latza zeigte sich sehr beweglich und unterstützte häufig die linke Seite. Mainz ließ den Ball gut in den eigenen Reihen laufen und startete dann über die Flügel Angriffe.

Einzelkritik: Klaassen nur ein Schatten seiner selbst - andere aber auch

Mainz spielt wie Werder – nur besser

Den Ball zirkulieren lassen und mithilfe der Achter Überzahlen auf dem Flügel kreieren? Das haben Bremer Fans in dieser Saison doch schon einmal gehört – denn es ist eigentlich der Spielplan ihres Teams. Auch gegen Mainz versuchte Werder, Überzahlen auf dem Flügel zu kreieren. Doch gegen die Mainzer Zuteilung im Mittelfeld kam Bremen nicht an. Die Mainzer störten früh, standen gerade im Zentrum ihren Gegenspielern auf den Füßen. Zudem war das Bremer Spiel zu ausrechenbar: Immer und immer wieder spielten sie den Ball nach links, die rechte Seite war kaum präsent.

Mainz machte es besser, auch weil Bremen sie ließ. Im Gegensatz zu Mainz störte Werder nicht früh, sondern zog sich im 4-4-2 in die eigene Hälfte zurück. Mainz konnte in Ruhe die eigenen Angriffe vorbereiten und mit langen Diagonalbällen das Spiel auf die Flügel verlagern. Nach dem Führungstreffer zogen sich die Mainzer weiter zurück. Spätestens jetzt wurde klar: Bremen fehlte an diesem Tag Tempo und Genauigkeit im Passspiel, um die gut verschiebende Raute der Mainzer zu knacken.

Kommentar: Werder muss härter werden - auch zu sich selbst

Umstellung fruchtet erst spät

Kurz vor der Pause stellte Kohfeldt sein Team um. Kainz ging ins offensive Mittelfeld, Osako wechselte in den Sturm neben Kruse. Bremen agierte fortan ebenfalls mit einer Mittelfeld-Raute hinter einem Doppelsturm. Das befreite Kruse etwas, die Offensive verbesserte sich jedoch kaum merklich. Immerhin gewann Bremen an defensiver Stabilität. Sie konnten nun ebenfalls zu einer Manndeckung im Mittelfeld übergehen, wodurch sie mehr Druck auf Mainz ausübten.

Fotostrecke: 1:2-Pleite - Werder enttäuscht in Mainz

Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © dpa
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © gumzmedia
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © dpa
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © gumzmedia
Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © gumzmedia

Das frühe 2:0 nach der Pause jedoch warf Bremen zurück. Erst in der Schlussviertelstunde gelangten sie wieder gefährlich in den Mainzer Strafraum. Kohfeldt hatte nun alles nach vorne geworfen. Er hielt zwar an der Rautenformation fest, besetzte die einzelnen Positionen jedoch äußerst offensiv: Die eingewechselten Martin Harnik und Claudio Pizarro mimten den Doppelsturm, Kruse übernahm die Zehner-Position. Aus dem Mittelfeld rückten die Eggestein-Brüder permanent nach vorne, während Klaassen allein vor der Abwehr verblieb.

Mainz hingegen wirkte nach 75 Minuten intensiver Arbeit gegen den Ball müde. Schwarz‘ Umstellung auf ein defensives 4-1-4-1-System stabilisierte sein Team nicht, im Gegenteil: Es verlor den Zugriff auf Klaassen und konnte mit nur einem Stürmer keine Konter mehr fahren. Bremen griff nun vornehmlich über die rechte Seite an. Die Eggestein-Brüder sorgten hier immer wieder für Überzahlsituationen. Doch Bremen gelang nur der Anschlusstreffer.

Fazit: Bremens System geknackt?

Es war ein verkorkster Abend für Werder. Spielerisch, kämpferisch, aber auch taktisch war man dem Gegner unterlegen. Schlimmer noch: Nach mittlerweile zehn Spieltagen scheint es so, als finden immer mehr Gegner die passende Antwort auf Bremens bisher so erfolgreiches 4-3-3/4-4-2-Mischsystem. Mainz machte der Liga vor, wie man Werder schlagen kann. Nun muss Kohfeldt der Liga beweisen, dass er alternative Matchpläne im Ärmel hat.

Quelle: DeichStube

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