Serbiens Nationaltrainer über den Abwehrspieler und seine Zeit in Bremen

Krstajic im Interview: „Ich baue auf Veljkovic“

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Früher Teamkollegen, im Frühjahr 2008 Gegner: Ex-Bremer Mladen Krstajic (re.) und Werders heutiger Sportchef Frank Baumann.

Bremen – Wann er zuletzt in Bremen gewesen ist, kann Mladen Krstajic nicht genau sagen. „Immer, wenn ich Zeit habe, besuche ich schon mal Deutschland und dann gerne auch Bremen“, erklärt der Nationaltrainer Serbiens, der von 2000 bis 2004 für Werder gespielt und mit der Mannschaft das Double gewonnen hat.

Allzu viel Zeit hat der 44-Jährige momentan aber nicht: Sein Job fordert ihn sehr. Als Cheftrainer betreute Krstajic die Serben bei der WM in Russland, scheiterte in der Vorrunde, stieg mit dem Team später aber in der Nations League auf. Am 20. März tritt Serbien nun in einem Testspiel gegen Deutschland an. Mit der DeichStube hat sich Krstajic vorab über seine Ex-Vereine Werder und Schalke, über Frank Baumann und Milos Veljkovic unterhalten.

Herr Krstajic, haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Mitspielern aus Bremer Zeiten?

Ja, habe ich. Nicht zu allen, aber zu einigen.

Zu wem denn?

Zu Ivan Klasnic zum Beispiel. Er ist einer, mit dem ich regelmäßig spreche. Ich liebe seine Art, respektiere ihn und betrachte ihn als meinen Bruder.

Sie standen auch mit Frank Baumann, Werders heutigem Sportchef, gemeinsam auf dem Platz. Wie bewerten Sie seine Arbeit?

Ich habe vier Jahre lang mit Frank gemeinsam gespielt und ihn somit gut kennengelernt. Er war immer eine ruhige, ausgeglichene und zuverlässige Person, überdies ein absoluter Profi und auch ein Familienmensch. Diese Qualitäten zeigt er auch in seinem neuen Job. Wenn er so weitermacht, wird er noch großen Erfolg bei Werder haben. Ich traue ihm zu, dass er so erfolgreich sein kann wie einst Klaus Allofs, der zusammen mit Thomas Schaaf unseren großen Triumph möglich gemacht hat.

Werders Trainer Florian Kohfeldt gilt als großer Aufsteiger in der Bundesliga. Was haben Sie für einen Eindruck von ihm?

Er ist ein junger und sehr ambitionierter Trainer, dem anfangs mit viel Skepsis begegnet wurde. Es waren Urteile von Leuten, die sich nicht im Fußball auskennen. Kohfeldt hat ein gewisses Charisma und damit seine Kritiker inzwischen überzeugen können. Wichtig ist auch, dass er die nötige Unterstützung im Verein erhält.

Werder spielt eine starke Saison. Was sagen Sie zu der Entwicklung der Mannschaft?

Werder war schon immer ein Club, der sich seine eigenen Ziele gesetzt hat. Da regiert nicht der Größenwahn wie andernorts. Es wurde stets ein systematischer Weg beschritten, wie jetzt auch. Sie setzen in Bremen auf junge Spieler, machen passende Transfers und entwickeln so eine Mannschaft. Das ist wichtiger als kurzfristige Resultate. Es ist eine Politik, die sich immer ausgezahlt hat.

Was denken Sie denn: Kann Werder sein Saisonziel erreichen und sich für den europäischen Wettbewerb qualifizieren?

Die Saison ist noch lang. Werder ist auf einem guten Weg und hat ganz gewiss eine Chance. Ich schätze, dass die Truppe die Qualität hat, sich für Europa zu qualifizieren. Doch sie benötigt bei der harten Konkurrenz auch ein wenig Glück.

Nach der Verletzung von Sebastian Langkamp steht plötzlich Milos Veljkovic, Ihr Schützling aus der Nationalmannschaft, in Werders Abwehr wieder im Fokus. Wie bewerten Sie seine Entwicklung in dieser Saison?

Milos ist sehr begabt. Es ist für ihn nicht einfach, auf dieser Position in der höchsten deutschen Spielklasse zu agieren. Er bekommt es mit sehr guten Gegenspielern zu tun. In seinem Spiel gibt es daher noch viele Höhen und Tiefen, was aber völlig normal ist. Ich habe ihn, wie auch andere junge Spieler, schon mehrfach berücksichtigt, gerade auch zuletzt in den Partien der Nations League. Ich baue auf ihn für die Zukunft.

Wie wichtig war Ihr Ex-Trainer Thomas Schaaf für Ihre Karriere? Hat die Arbeit mit ihm Einfluss auf Ihr heutiges Wirken als Trainer?

Er hat mir damals viel geholfen, er hat mich an die Hand genommen und mich sogar bei der Wohnungssuche unterstützt. Dank seiner Hilfe und Ratschläge konnte ich mich als Spieler und als Person weiterentwickeln. Ein guter Mann, der mich als Spieler so akzeptiert hat, wie ich war, und mich gefördert hat. Thomas Schaaf stand für attraktiven und offensiven Fußball. Das hat mir sehr gefallen. Es ist ein Stil, den ich als Trainer auch befürworte.

Sie haben ein Jahrzehnt lang in Deutschland gespielt. Wie war diese Zeit für Sie?

Es sind zehn unvergessene Jahre. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich eine so lange Zeit in einer so starken Liga agieren durfte. Und ich glaube, ich habe dabei deutliche Spuren hinterlassen. Überdies bin ich dankbar und glücklich, dass ich die deutsche Lebensart und Kultur kennenlernen durfte. Das hat mir in meiner späteren Karriere sehr geholfen.

Vier Jahre Werder Bremen, dann fünf Jahre Schalke 04. Wenn Sie die beiden Vereine miteinander vergleichen – was war die bessere Station?

Diese beiden Clubs sind überhaupt nicht zu vergleichen. Sie leben eine total unterschiedliche Fußballkultur, auch wenn beide traditionsreiche Vereine mit unglaublichen Fans sind. Ich habe sowohl die Zeit in Bremen als auch die in Gelsenkirchen genossen.

Am 20. März treten Sie mit Serbien in einem Testspiel gegen Deutschland an. Wie beurteilen Sie die momentane Situation des deutschen Fußballs?

Ich sehe weiterhin sehr große Qualität, gerade bei den Bayern, die das ja auch regelmäßig im Europacup nachweisen. Auch die Nationalmannschaft zählt trotz des schwachen Abschneidens bei der WM immer noch zu den Topteams in der Welt. Im Vergleich zu früher verlassen indes immer mehr junge Spieler die Bundesliga, gehen nach England oder Spanien. Dort wird eben mehr Geld bezahlt. In Deutschland gibt es da striktere Regeln und ein wirtschaftliches Limit. Ich halte das für ein Zeichen von Stabilität.

Mladen Krstajic

Zur Person: Mladen Krstajic wechselte im Jahr 2000 von Partizan Belgrad zu Werder und bestritt für die Bremer 142 Pflichtspiele (zwölf Tore, neun Vorlagen). In der Saison 2003/2004 zählte der Innenverteidiger zur Stammbesetzung der Double-Mannschaft. 2004 ging Krstajic zu Schalke 04, für das er bis 2009 spielte. Seit 2018 ist er Serbiens Nationaltrainer.

(Das Interview führte Hans-Günther Klemm)

Quelle: DeichStube

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