Werder-Trainer spricht über Fehler & Lösungsansätze

Der kritische Coach Florian Kohfeldt kämpft für sein Werder Bremen

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Elf Punkte, 24 Gegentore, Tabellenplatz 14: Trainer Florian Kohfeldt ist mit der aktuellen Situation beim SV Werder Bremen alles andere als zufrieden.

Bremen – Sieben Spiele ohne Sieg, Tabellenplatz 14, der Abstiegskampf ist näher als das Ziel Europa: Florian Kohfeldt hat beim SV Werder Bremen schon bessere Zeiten erlebt.

Doch der Coach geht auch diese Aufgabe offensiv an, stellt sich den Medien, spricht über mögliche Fehler, präsentiert Lösungsansätze und macht damit deutlich: Dass Werder Bremen in schwierigen Situationen erst mal wieder die Ruhe bewahrt, heißt nicht, dass intern Ruhe herrscht. „Wir hinterfragen alle Entscheidungen, wenn sie nicht zum Erfolg führen“, betont Florian Kohfeldt und fordert: „Wir müssen den Mut haben, Sachen, die wir für gut halten, die aber nicht funktionieren, zu verändern.“ 

Und das ist nicht nur so dahingesagt. Ganz grundsätzlich hält der Trainer nämlich fest: „Es ist jetzt seit zwei Jahren das erste Mal so, dass Dinge und relativ prominente Entscheidungen, die wir getroffen haben, schiefgehen.“ Es fällt ihm dabei nicht ganz leicht, konkrete Beispiele zu nennen. Manche Dinge sind ihm schlichtweg zu intern, könnten für die Betroffenen vielleicht unangenehm sein.

Werder Bremen: Trainer Florian Kohfeldt stellt Rundumversorung auf den Prüfstand

Aber Kohfeldt will auch nicht ausweichen, also spricht er die Vorbereitung an. „War es richtig, wieder erst ins Zillertal und dann nach Grassau zu fahren, und dadurch bei allen dieses Grundgefühl aufkommen zu lassen, es beginnt wieder so eine Saison wie letztes Jahr?“ Auch die Investitionen in die Infrastruktur mit mehr Komfort im Kabinenbereich, einer besseren medizinischen Versorgung und anderen Dingen stellt Kohfeldt auf den Prüfstand. „Wir haben jetzt eine Rundumversorgung, alles ist da. Aber ist es auch gut, immer alles zu haben. Haben wir vielleicht Reibungspunkte weggenommen, die für den Erfolg wichtig waren?“

Der 37-Jährige nimmt sich aber auch sportlich unter die Lupe und erinnert an das 2:2 gegen den SC Freiburg. Damals hatte er kurz vor Schluss beim Stand von 2:1 Abwehrspieler Sebastian Langkamp eingewechselt. Ein ungewohnt defensives Signal von ihm, der eigentlich stets vorwärts denkt. „Gegen Hoffenheim sind wir als Trainerteam am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison als reif und erwachsen tituliert worden, weil wir das erste Mal kurz vor Schluss einen Innenverteidiger eingewechselt haben, um etwas abzusichern.“ Da gab es einen 1:0-Sieg, gegen Freiburg dagegen den Ausgleich. „Solche Entscheidungen sind in dieser Saison einfach nicht so aufgegangen“, seufzt Kohfeldt. Allerdings sei der Langkamp-Wechsel gar nicht so defensiv gewesen, weil Leonardo Bittencourt nach vorne geschoben wurde. Eine Randnotiz.

Florian Kohfeldt vertraut weiter der Art des Werder-Fußballs

Denn letztlich hat es nicht zum Sieg gereicht. Und das ist es, was gerade zählt. Ansonsten heißt die Zukunft tatsächlich Abstiegskampf. „Wir sind uns jeglicher Dynamik bewusst, die im Fußball entstehen kann. Wir sind trotzdem davon überzeugt, dass wir uns aus dieser Situation befreien“, sagt Kohfeldt. Vor einem Jahr habe er sich nach der 1:2-Niederlage in Mainz viel unsicherer gefühlt, obwohl Werder nach zehn Spieltagen mit 17 Punkten auf Platz sechs stand. 

„Es war alles nicht so gefestigt wie jetzt“, glaubt der Coach: „Wir haben inzwischen eine Basis geschaffen, auf der wir auch tabellarisch wieder in die Spur kommen können.“ Will heißen: Kohfeldt vertraut weiter der Art des Werder-Fußballs. Davon abzurücken sei gefährlich, könne die Mannschaft in eine Vertrauenskrise stürzen. Woran sollten sie dann noch glauben?

Aber dieser Glaube an den Weg schließe keine Veränderungen aus, betont Kohfeldt. Taktisch sei dabei durchaus das eine oder andere denkbar, ohne von der Grundidee abzurücken. Ins Detail geht er nicht, die Gegner lesen schließlich mit. Der Standardschwäche wurde bereits mit der Besetzung des Pfostens begegnet und sie wird noch mehr im Training bearbeitet. Auch personell könnte sich etwas tun, nicht nur durch bald wiederkehrende Leistungsträger. Aber Kohfeldt nennt keine Namen, weil er sich öffentlich immer vor seine Spieler stellt – aus gutem Grund: „Die Beziehung zur Mannschaft ist mein höchstes Gut, weil ich darüber überzeugen, kritisieren und lenken kann.“

Das würde allerdings nicht bedeuten, dass bei Werder jeder nur Samthandschuhe trage. „Wir gehen sehr kritisch miteinander um.“ Doch die Tonart variiere von Spieler zu Spieler. Der eine müsse in den Arm genommen, der andere angeschrien werden. „Es ist genau mein Job als Trainer, das zu finden, was dem einzelnen Spieler hilft“, sagt der Coach und wirkt dabei extrem entschlossen: „Kämpferisch zu sein, ist für mich gerade das Wichtigste. Ich will das lösen!“ Es wäre übrigens nicht das erste Mal, dass es ihm gelingt. In der Hinrunde der vergangenen Saison gab es auch mal fünf Spiele ohne Sieg mit nur einem Punkt. Am Ende wurde Europa nur knapp verpasst. (kni)

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Quelle: DeichStube

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