Kapitän liefert nicht mehr so ab wie früher

Kruse in der Krise: Er macht zu selten den Unterschied

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Er soll den Unterschied machen, tut es aber noch zu selten: Max Kruse läuft seiner Form aktuell hinterher.

Bremen  - Speziell für Spieler wie ihn wurde folgende Bezeichnung erfunden: Unterschiedsspieler. Max Kruse bekam diesen Titel schon von verschiedenen Fußball-Experten verliehen – zum Beispiel von Freiburgs Coach Christian Streich oder Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke.

Auch Werder-Trainer Florian Kohfeldt nennt seinen Kapitän so. Das Problem: Kruse macht immer seltener den Unterschied. Werders Topverdiener steckt in der Krise, woran er zum Teil auch selbst Schuld trägt. Das ist umso ärgerlicher, weil Werder den Unterschiedsspieler Kruse unbedingt braucht. Und es könnte auch Auswirkungen auf seinen Vertrag haben.

Ein Blick in die Statistik. Zwei Tore hat Kruse in den bisherigen zehn Bundesliga-Spielen der Saison erzielt – einen davon per Elfmeter. Dazu kommen noch zwei Torvorlagen. Viel ist das nicht. „Es könnte besser sein“, gestand Kruse vor der Partie in Mainz. Inzwischen wartet er seit 438 Minuten auf einen Treffer. Gegen die Rheinhessen hätte es beinahe geklingelt, doch kurz vor Schluss wurde Kruses guter Schuss noch von 05-Keeper Robin Zentner pariert. Eine inzwischen eher seltene Kruse-Chance.

Der Ex-Nationalspieler bringt sich nicht mehr so oft in Position. In Mainz war das besonders auffällig. Trotz zum Teil guter Anspiele der Kollegen, schaffte es Kruse kaum in die Box – oder traute sich nicht. Dann wich er lieber nach außen aus. Torgefahr sieht anders aus.

Freigeist Kruse lässt sich immer wieder fallen

Dabei hat sich Kruses Rolle längst geändert. Er darf sich mehr als früher auf seinen Job in vorderster Front konzentrieren, muss nicht mehr selbst das Spiel ankurbeln, worunter in der vergangenen Rückrunde seine Torgefahr gelitten hatte. Dafür wurde ein Davy Klaassen geholt, auch Maximilian Eggestein kann inzwischen den kreativen Part übernehmen. Freigeist Kruse lässt sich trotzdem immer wieder fallen, eine eigentlich ziemlich laufintensive Nummer. Doch auch dabei fehlt ihm letztlich die Konsequenz wie vor dem Tor.

Eigentlich müsste Kruse extrem viel unterwegs sein, um seine von ihm selbst gewünschte Doppelrolle auszufüllen. Das ist er aber nicht. In Mainz spulte Kruse 10,17 Kilometer ab, aus der Startelf lief nur Keeper Jiri Pavlenka weniger. Auch alle aus- und eingewechselten Werder-Profis hatten hochgerechnet auf 90 Minuten am Ende mehr Kilometer auf dem Tacho. Ähnlich war es im letzten Heimspiel gegen Leverkusen, als Kruse bei der 2:6-Klatsche sogar nur 9,21 Kilometer absolvierte.

Max Kruse: Seine Karriere in Bildern

Max Kruse spielt zum zweiten Mal für die Bremer. In der Jugend kickte der Angreifer für den SC Vier- und Marschlande, 2006 wechselte er in die U19 des SV Werder.
Max Kruse spielt zum zweiten Mal für die Bremer. In der Jugend kickte der Angreifer für den SC Vier- und Marschlande, 2006 wechselte er in die U19 des SV Werder. © Gumz
Sein Bundesliga-Debüt bei den Werder-Profis gab Kruse unter Trainer Thomas Schaaf am 29. September 2007 gegen Arminia Bielefeld.
Sein Bundesliga-Debüt bei den Werder-Profis gab Kruse unter Trainer Thomas Schaaf am 29. September 2007 gegen Arminia Bielefeld. © imago
Werder feierte einen 8:1-Kantersieg, Kruse konnte Sturmkollege Markus Rosenberg ein Tor auflegen. Hier jubeln beide nach dem Treffer.
Werder feierte einen 8:1-Kantersieg, Kruse konnte Sturmkollege Markus Rosenberg ein Tor auflegen. Hier jubeln beide nach dem Treffer. © imago
Der Durchbruch gelang dem Angreifer in Bremen aber nicht. Kruse wechselte 2009 von der Weser nach Hamburg zum FC St. Pauli.
Der Durchbruch gelang dem Angreifer in Bremen aber nicht. Kruse wechselte 2009 von der Weser nach Hamburg zum FC St. Pauli. © imago
Bei den „Kiezkickern“ hielt es den gebürtigen Hamburger drei Jahre, dann folgte der Wechsel zum SC Freiburg.
Bei den „Kiezkickern“ hielt es den gebürtigen Hamburger drei Jahre, dann folgte der Wechsel zum SC Freiburg. © imago
Die Freiburger reichten Kruse nach einer Saison weiter an Borussia Mönchengladbach. Dort spielte der Stürmer bis 2015, ehe sich der VfL Wolfsburg die Dienste des Offensivmannes sicherte.
Die Freiburger reichten Kruse nach einer Saison weiter an Borussia Mönchengladbach. Dort spielte der Stürmer bis 2015, ehe sich der VfL Wolfsburg die Dienste des Offensivmannes sicherte. © imago
Im August 2016 dann die Rückkehr. Kruse unterschrieb beim SV Werder.
Im August 2016 dann die Rückkehr. Kruse unterschrieb beim SV Werder. © gumzmedia
Nach einer langen Verletzungspause zu Beginn der Saison startete Kruse richtig durch. Allein in der Rückrunde erzielte der Stürmer 13 Tore.
Nach einer langen Verletzungspause zu Beginn der Saison startete Kruse richtig durch. Allein in der Rückrunde erzielte der Stürmer 13 Tore. © gumzmedia
Beim 4:2-Sieg gegen den FC Ingolstadt am 30. Spieltag gelang dem begehrten Torjäger sogar ein Viererpack - sorgte im Alleingang für drei Punkte.
Beim 4:2-Sieg gegen den FC Ingolstadt am 30. Spieltag gelang dem begehrten Torjäger sogar ein Viererpack - sorgte im Alleingang für drei Punkte. © gumzmedia
Zu Beginn der Saison 2017/18 lief es aber noch nicht so rund - und Kruse brach sich am vierten Spieltag sein Schlüsselbein. Nur fünf Wochen später stand er aber schon wieder auf dem Platz.
Zu Beginn der Saison 2017/18 lief es aber noch nicht so rund - und Kruse brach sich am vierten Spieltag sein Schlüsselbein. Nur fünf Wochen später stand er aber schon wieder auf dem Platz. © gumzmedia
Im vierten Spiel nach seiner Verletzung war er dann wieder komplett zurück: Kruse gelang ein lupenreiner Hattrick beim 4:0-Sieg über Hannover 96 am zwölften Spieltag.
Im vierten Spiel nach seiner Verletzung war er dann wieder komplett zurück: Kruse gelang ein lupenreiner Hattrick beim 4:0-Sieg über Hannover 96 am zwölften Spieltag. © gumzmedia
Max Kruse ist nun nicht mehr nur Torjäger sondern agiert in der Saison 2017/18 viel zwischen den Abwehrlinien als Ballverteiler.
Max Kruse ist nun nicht mehr nur Torjäger sondern agiert in der Saison 2017/18 viel zwischen den Abwehrlinien als Ballverteiler. © gumzmedia
Im August 2018 ernannte Trainer Florian Kohfeldt Max Kruse zum neuen Werder-Kapitän.
Im August 2018 ernannte Trainer Florian Kohfeldt Max Kruse zum neuen Werder-Kapitän. © gumzmedia

Klar, Kruse war noch nie ein Laufwunder. Aber in der vergangenen Saison lief er mehr, er wirkte auch spritziger – und insgesamt fitter. Irgendwie hatte er es in der Vergangenheit immer geschafft, seine Kilos aus dem Sommerurlaub wieder loszuwerden. Bislang ist ihm das nicht gelungen, er soll immer noch ein ganzes Stück von seinem optimalen Kampfgewicht entfernt sein.

Wobei es im Sommer ohnehin verwunderte, dass Kruse in seinem Urlaub mal wieder keine Rücksicht auf die anstehende Saison genommen hatte. Schließlich war er als neuer Kapitän im Gespräch, Werder wollte endlich die Wende schaffen. Kruse sollte dabei die Hauptrolle spielen. Da war ein topfitter Angreifer zum Start in die Vorbereitung erwartet worden.

Kruse war dabei zuletzt keine gute Anschrift

Die Club-Verantwortlichen waren wenig begeistert, schützten ihren Star aber öffentlich. Ihnen blieb auch gar nichts anderes übrig. Kohfeldt hatte Kruse schließlich zum Kapitän gemacht, außerdem wird der Stürmer dringend gebraucht. Er ist nicht nur ein Leistungsträger, er ist – wenn alles passt – eben auch der Unterschiedsspieler. So wie Dortmund einen Marco Reus hat oder der FC Bayern einen Robert Lewandowski. Diese beiden Topclubs können es aber zumindest in der Bundesliga verschmerzen, wenn ihr Superstar schwächelt, weil es adäquaten Ersatz im Kader gibt.

Max Kruse: Wirkungsloser MIP gegen Mainz

Bei Werder ist das anders. Da muss ein 40-Jähriger helfen, wenn es vorne nicht läuft. Und siehe da, in Mainz wurden die Bremer sofort gefährlicher, als Claudio Pizarro auf dem Platz stand. Der Peruaner geht in die Box und ist dann auch da, wenn ein Johannes Eggestein wie vor dem Anschlusstreffer zurückpasst. Das zeigt: Es gibt durchaus Möglichkeiten für Stürmer, wenn der Absender einen Adressaten findet.

Kruse war dabei zuletzt keine gute Anschrift. Der 30-Jährige wirkte fast schon etwas verunsichert, ließ Bälle zu weit abprallen, verlor viele Zweikämpfe. Seine Erfolgsquote bei direkten Duellen lag nur noch bei 30 Prozent. Für einen Stürmer kein ungewöhnlicher Wert, für Kruse schon. Es zählt zu seinen absoluten Stärken, den Ball zu behaupten.

Für Werder ist es schon bitter, dass Kruse ausgerechnet jetzt schwächelt und sich nicht in Topform befindet. Der Kader bietet endlich mal die Möglichkeit, höhere Ziele anzuvisieren. Deshalb wurde auch von Europa gesprochen. Doch ohne einen starken Kruse und dessen Tore sowie Vorlagen wird es Werder nicht schaffen. Es geht um die Zukunft des Clubs, aber auch um die von Kruse. Der hatte stets betont, dass er seine Vertragsverlängerung davon abhängig machen will, ob es bei Werder tatsächlich dauerhaft aufwärts geht. Er selbst könnte dazu beitragen. Bislang ist ihm das nur sehr bedingt gelungen, trotzdem ist Werder als Tabellensechster auf Euro-Kurs.

Es wird also spannend, wie sich die Verhandlungen entwickeln, ob nicht sogar der Verein am Ende auf eine weitere Zusammenarbeit verzichtet. Kruses Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Frühestens in der Winterpause soll in dem Bereich etwas Konkretes passieren. Bis dahin hat Kruse die Chance, wieder der alte Kruse zu werden.

Quelle: DeichStube

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