Taktik-Analyse

Taktische 180-Grad-Wende: Werder kontert sich zum Sieg

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Taktiker Florian Kohfeldt hat seine Jungs gegen Augsburg perfekt aufgestellt.

40% Ballbesitz hatte Werder Bremen gegen den FC Augsburg. Das war der niedrigste Wert in dieser Saison. Weshalb Werder auf Ballbesitz verzichtete und wieso dies der Schlüssel zum 4:0-Erfolg war, erläutert unser Takikanalyst Tobias Escher.

Die Fastenzeit beginnt zwar erst in knapp einem Monat. Werder Bremen verzichtete jedoch schon im Spiel gegen den FC Augsburg – und zwar auf den Ballbesitz. Das ist für Werder in dieser Saison untypisch. Das geduldige Spiel aus der Abwehr gehört zum taktischen Markenkern von Trainer Florian Kohfeldt. In 16 von 21 Saisonspielen hatte Werder mehr Ballbesitz als der Gegner. Gegen Augsburg plante Kohfeldt jedoch um; mit Recht, wie das 4:0-Ergebnis bewies.

Bremen kontert sich zur Führung

Werder begann die Partie in einem 5-2-3-System. Philipp Bargfrede gab den zentralen Verteidiger einer Fünferkette. Vorne tauschten Max Kruse, Milot Rashica und Johannes Eggestein munter die Positionen. Aus dem Mittelfeld stießen Davy Klaassen und Maximilian Eggestein immer wieder nach vorne. Der FC Augsburg hielt Bremen eine 3-4-1-2-Formation entgegen.

Entscheidender als die Formation war die strategische Herangehensweise: Statt Ball und Gegner laufen zu lassen, setzte Werder auf ein schnelles Umschaltspiel. Augsburg durfte den Ball in der eigenen Dreierkette laufen lassen. Werders Dreier-Sturmreihe agierte jedoch äußerst eng, sodass Bremen die Passwege ins Mittelfeld zustellte. Dort nahmen Klaassen und Eggestein die Augsburger Doppelsechs in enge Deckung. Bremen versperrte fast durchgehend den Passweg nach vorne.

Fotostrecke: Rashica-Show gegen Augsburg

Werder Bremen gegen den FC Augsburg
Werder Bremen gegen den FC Augsburg © gumzmedia
Werder Bremen gegen den FC Augsburg
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Werder Bremen gegen den FC Augsburg
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Werder Bremen gegen den FC Augsburg
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Werder Bremen gegen den FC Augsburg
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Werder Bremen gegen den FC Augsburg © imago
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Werder Bremen gegen den FC Augsburg © dpa
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Werder Bremen gegen den FC Augsburg
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Werder Bremen gegen den FC Augsburg
Werder Bremen gegen den FC Augsburg © dpa
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Werder Bremen gegen den FC Augsburg
Werder Bremen gegen den FC Augsburg © gumzmedia

Der FCA war gezwungen, viele Quer- und Rückpässe zu spielen. Sobald Augsburg den Ball nach hinten passte, rückte Werder konsequent nach. Sie wollten Augsburgs Torhüter Gregor Kobel zu langen Bällen provozieren. Das gelang Werder gut, auch weil Augsburg in diesen Situationen den Torwart zu wenig unterstützte. Nach Kobls langen Schlägen stand Augsburg in der Formation arg gestreckt, das heißt: Die Abstände zwischen Abwehr, Mittelfeld und Sturm waren groß. Bremen gewann im Mittelfeld die Kopfball-Duelle und setzte sofort zum Konter an, um Augsburgs gestreckte Formation zu bestrafen.

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Konter über Kruse

Die Bremer Konter schienen ins Detail choreographiert gewesen zu sein. Kruse agierte in der Anfangsphase nur selten als zentraler Stürmer, sondern nahm häufig den linken Part der Dreier-Sturmreihe ein. Der erste Pass nach Eroberung ging sofort zu Kruse. Er legte den Ball ab oder steckte ihn direkt hinter die gegnerische Abwehr durch.

In zentraler Position lauerte Rashica auf die Zuspiele hinter die Abwehr. Er startete diagonal vom Zentrum auf die halblinke Seite. Gleich zweimal spielte Werder ihn in der ersten halben Stunde im Konter frei, beide Male schloss er den schnellen Gegenstoß mustergültig ab (4., 28.). Das zwischenzeitliche 2:0 erzielte Johannes Eggestein nach einem Standard (27.).

Werders Konter: Kruse ließ sich auf die linke Seite fallen und band damit Oxford, Rashica startete in die entstehende Lücke.

Rashicas frühes Tor spielte Bremen in die Karten. Fortan konnten sie sich noch stärker auf Ballgewinne und schnelle Konter konzentrieren. Augsburg hingegen war gezwungen, das Spiel zu gestalten. Mit dieser Aufgabe waren sie vollkommen überfordert. Augsburgs Dreierkette aus Rani Khedira, Reece Oxford und Konstantinos Stafylidis spielte fast so viele Pässe wie die gesamte Werder-Mannschaft (200 zu 245). Die meisten jedoch spielten sie quer oder nach hinten.

Kurze Schwächephase schnell vergessen

In der Schlussphase der ersten Halbzeit drohte Werder das Spiel zu entgleiten. Als Rashica verletzt ausgewechselt werden musste (36.), stellte Kohfeldt auf ein 5-3-2-System um. Der eingewechselte Kevin Möhwald übernahm die dritte Position im zentralen Mittelfeld. Fortan bekam Bremen weniger Zugriff in der ersten Linie und versperrte die Zuspielwege ins zentrale Mittelfeld nicht mehr so gut. Jan Moravek fand nun als Sechser stärker ins Spiel, auch weil er sich häufig hinter Bremens Pressinglinie fallen ließ.

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Nach der Pause waren diese Sorgen jedoch schnell vergessen. Werder schob im Verbund wieder etwas höher und stand damit kompakter. Bei Augsburg wiederum ließen sich Moravek und Daniel Baier bei Augsburg immer tiefer fallen. Die Anbindung zwischen Mittelfeld und Angriff war überhaupt nicht mehr gegeben.

Augsburgs Trainer Manuel Baum versuchte, sein Team über eine Umstellung auf ein 4-2-3-1-System zu stabilisieren. Das machte es jedoch nur noch schlimmer: Die Abstände zwischen den Mannschafsteilen vergrößerten sich weiter, Bremen fand wieder vermehrt Räume zum Kontern. In der Schlussphase stellte Kohfeldt noch einmal auf ein 4-3-3-System um, damit Werder diese Konter besser ausspielen konnte. Mit Erfolg: Der Treffer zum 4:0 zerstreute die letzten Restzweifel.

Fazit: Werder kann auch kontern

Bremen zeigt sich beim Jubiläumsspiel von seiner besten Seite. Chancenverwertung? Perfekt. Taktische Flexibilität? Hoch; immerhin stellte Kohfeldt gleich zweimal seine Formation um. Geschwindigkeit? Rasend schnell! Selten zuvor hat man die sonst eher Ballbesitz-fokussierten Bremer derart stringent kontern sehen. Augsburg half beim 4:0-Erfolg kräftig mit, indem sie aufgrund ihrer gestreckten Formation hinten Lücken ließen.

Ist Werders Zeit der Wankelmütigkeit damit vorbei? Nicht unbedingt. Kommende Woche warten die defensiv wesentlich stabileren Herthaner. Sie werden Werder keine Räume zum Kontern anbieten. Man darf gespannt sein, was Kohfeldt sich für dieses Spiel einfallen lässt. Eine totale Umstellung des Spielsystems binnen einer Woche ist in Bremen schließlich nicht mehr die Ausnahme, sondern der Normalfall.

Quelle: DeichStube

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