Spielbericht zur Niederlage

1:2 - Werder wacht in Mainz viel zu spät auf

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Philipp Bargfrede (am Ball) und Co. gehen zum zweiten Mal in Folge als Verlierer vom Platz.

Mainz - Statistiken und Serien können manchmal fürchterlich irreführend sein: Viermal in Folge hatte Werder Bremen zuletzt bei Mainz 05 gewonnen. Sieben Spiele in Folge hatten die Rheinhessen zudem bis zum Duell mit der Truppe von Trainer Florian Kohfeldt nicht gewonnen. Da war doch klar, wer am Sonntag die Opel-Arena als Sieger verlassen würde. Werder natürlich! Doch es kam ganz anders.

Mit 2:1 (1:0) gewannen die Rheinhessen, beendeten damit beide Serien und leiteten möglicherweise eine neue, unschöne bei den Bremern ein. Nach einem Jahr unter der Führung von Florian Kohfeldt gingen zum ersten Mal zwei Liga-Spiele in Folge verloren. Nach dem 2:6 gegen Bayer Leverkusen eine Woche zuvor war die Partie in Mainz ergebnistechnisch zwar weniger brutal, die Leistung war es speziell in der ersten Halbzeit aber doch. Für Mainz trafen Jean-Philippe Mateta (25.) und Jean-Philippe Gbamin (51.). Der eingewechselte Claudio Pizarro verkürzte für die Bremer (78.).

Die freie Auswahl hatte Coach Kohfeldt vor dem Spiel beim Personal. Niklas Moisander und Philipp Bargfrede fit zurück, Florian Kainz gut im DFB-Pokal bei Weiche Flensburg – der Coach schickte dieses Trio, das eine Woche zuvor beim 2:6 gegen Bayer Leverkusen noch gefehlt hatte, auf den Platz.

Zudem bekam Yuya Osako auf der rechten Angriffsseite zunächst den Vorzug vor Martin Harnik. Nach Ablauf der ersten 45 Minuten musste jedoch festgehalten werden, dass Kohfeldt mit beinahe jeder seiner Entscheidungen daneben lag. Osako? Ein Totalausfall. Kainz? Mit mehr als nur einer falschen Entscheidung. Und Moisander? War der Hauptschuldige am Mainzer Führungstreffer. Der Finne, der eigentlich die Sicherheit in Person ist und über dessen Rückkehr Kohfeldt mehr als glücklich war („Niklas bringt vor allem Organisation in unsere Defensive“), säbelte an einer Flanke vorbei. Mainz' Mittelstürmer Mateta profitierte und traf zum 1:0 für die Platzherren (25.).

Mainz mit Volldampf, Werder von der Rolle

Dass die 05er von den sieben vorangegangenen Spielen nicht eins gewonnen hatte, merkte man ihnen überhaupt nicht an. Von Verunsicherung keine Spur, Volldampf war das Motto. Und Werder stand dem einigermaßen hilflos gegenüber. Nichts ging bei den Bremern, die seltsam langsam, ungenau und fahrig agierten. Kurz: von der Rolle.

Nun wäre es leicht, das 2:6 der Vorwoche gegen Bayer Leverkusen als Grund für die Verunsicherung heranzuziehen. Aber was sich Werder an Fehlpässen, Ballverlusten, technischen Fehlern und leichtfertig verspielten Konterchancen leistete, war selbst damit nicht zu erklären. Kohfeldts Worte von vor dem Anpfiff waren völlig ins Leere gegangen. „Unsere Stichworte heute sind Aufmerksamkeit und Konzentration“, hatte er gesagt. Umgesetzt wurde es nicht.

Tatsächlich war die Leistung der ersten Halbzeit noch schlechter als beim 2:6 daheim gegen Bayer 04. Werder brachte nach vorne kaum etwas zustande. Bezeichnend für die Offensivbemühungen war eine Szene in Minute 32, als Davy Klaassen – sonst immer einer der besten Bremer – der Ball in guter Position unter dem Fuß durchrutschte. Wieder ein Angriff dahin, wieder Kopfschütteln bei 3.500 Werder-Fans in der Opel Arena. Die besten Bremer Szenen waren noch eine Flanke von Maximilian Eggestein auf Kainz, dessen Abschluss aber weit über das Tor flog (24.) sowie ein Osako-Kopfball, der das Prädikat gefährlich allerdings auch nicht verdient hatte (44.).

Fotostrecke: 1:2-Pleite - Werder enttäuscht in Mainz

Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © dpa
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © gumzmedia
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © gumzmedia
Werder Bremen gegen Mainz 05.
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © dpa
Werder Bremen gegen Mainz 05.
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
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Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © gumzmedia
Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © gumzmedia
Werder Bremen gegen Mainz 05.
Werder Bremen gegen Mainz 05. © gumzmedia

Auf der Gegenseite brannte es dagegen mehrfach lichterloh. Unter dem Mainzer Druck produzierte Werder ungewöhnlich viele Fehler – selbst Torwart Jiri Pavlenka beteiligte sich daran. Weil er eine Flanke durch die Finger flutschen ließ, hätte Danny Latza beinahe das 2:0 geköpft (33.).

Als Schiedsrichter Guido Winkmann zur Pause pfiff, freute sich der FSV Mainz über die erst zweite Halbzeitführung der Saison. Bei Werder stellte sich die Frage, wen Kohfeldt alles auswechseln würde. Kandidaten gab es genug. Doch Überraschung: der Coach änderte personell nichts. Nur am System wurde gebastelt. Werder stellte auf Raute um und beorderte Kainz auf die Spielmacher-Position.

Aber was hilft das, wenn hinten gepatzt und zugeguckt wird? Das 0:2 entsprang einem Einwurf, den Ludwig Augustinsson mit einem Stockfehler verursacht hatte. In der Folge kam Gbamin an den Ball, Klaassen eskortierte nur, statt zu stören, und Bargfrede kam beim Distanzschuss des Franzosen zu spät. Links von Pavlenka schlug der Ball unhaltbar flach ein.

Pizarro verkürzt auf 1:2

Erst nach diesem zweiten Gegentreffer reagierte Kohfeldt auch personell und nahm Osako sowie Kainz vom Feld. Claudio Pizarro und Johannes Eggestein kamen (56.). Frische Kräfte für die Offensive – es war eine überfällige Maßnahme und der letzte Rettungsschirm, den Werder jetzt noch spannen konnte.

Plötzlich war auch mehr Überzeugung in den Aktionen, aber die Präzision fehlte weiterhin. Vielleicht hätte ein Elfmeterpfiff geholfen, als Moussa Niakhate Johannes Eggestein in die Parade fuhr (60.). Doch ein glasklares Foul war das nicht. Werder rannte nun an, ging mit der Einwechslung von Martin Harnik für Mittelfeld-Abräumer Bargfrede volles Risiko und durfte plötzlich tatsächlich wieder hoffen. Auf Vorlage von Johannes Eggestein traf Pizarro zum Anschlusstreffer – und es blieben noch zwölf Minuten plus vier Minuten Nachspielzeit.

Einen Schuss von Kruse entschärfte 05-Schlussmann Robin Zentner (82.), weitere Chancen erarbeiteten sich die Bremer jedoch nicht mehr. Konsequenz der Niederlage: Werder rutscht in der Tabelle auf Rang sechs ab, Mainz klettert dank des ersten Heimsiegs der Saison auf Platz zwölf.

Quelle: DeichStube

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